Filme Queer Life

Film-Review: Bloomington

28. Juni 2011

Die alte, alte Leier und anscheinend hat es sich noch nicht runtergeleiert. Das „Schülerin liebt Lehrerin“-Konstrukt scheint sich wirklich nicht abzunutzen. Manchen Versuchen sieht man gerne zu (Mädchen in Uniform), andere sind so schlecht, dass man aus dem hysterischen Lachen nicht herauskommt (Loving Annabelle). Und jetzt haben wir wieder so ein Exemplar in der Filmwelt: Bloomington.

Ich habe mir soviel davon erhofft, wie man sich von einer Schmonzette dieser Natur eben erhoffen sollte. Und meine Erwartungen wurden genau erfüllt, obwohl der Grundplot dieser Art von Geschichten doch ein wenig verändert wurde:

Der Ex-Kinderserienstar Jackie möchte es auch einmal mit dem Studieren versuchen und schreibt sich im College ein. Schon während ihres ersten Besuches dort, trifft sie die Psychologieprofessorin Catherine Stark. Beide, die Professorin voran, fackeln nicht lange und so küssen die beiden sich direkt nach ihrem zweiten Gespräch. Und weil man ja nichts anbrennen lassen soll, nimmt die Professorin Jackie auch gleich mit zu sich nach Hause und sie landen im Bett. Eine Affäre zwischen den beiden beginnt und Jackie bekommt die ein oder andere Hilfestellung von ihrer Geliebten, was ihre Leistungen im College anbetrifft. Wenig später erhält Jackie die Chance einen richtigen Film zu drehen und wieder zu schauspielern. Unnötig zu erwähnen, dass die Affäre ein gefundenes Fressen für die Presse ist und Catherine Stark am Ende ohne alles dasteht: Ohne Affäre und ohne Job. Aber auf die Frage, ob sie Jackie böse ist, antwortet sie mit einem „Nein“. Warum auch? Schließlich war sie ja nicht die erste Affäre mit einer jungen Studentin, nur die erste, die aufflog – und die erste, in die sie sich verliebt hat.

Bloomington dreht den Spieß also einmal um: Am Ende ist diesmal nicht die Schülerin die Gelackmeierte, es ist die Lehrerin. Während ihre Verflossene in eine strahlende Filmzukunft startet, darf sie ihr Büro ausräumen.

Der Film ist nur knapp 80 Minuten lang und das merkt man. Vieles wirkt überstürzt, man lässt sich keine Zeit: Weder für die Entwicklung der Beziehung der beiden, noch für die Entwicklung der Geschichte. Das gestörte Verhältnis von Jackie zu ihrer Mutter wirkt kurz reingeschoben, genauso die kurzen Affären, die beide nach ihrer Trennung mit Männern haben, wirken abgehackt, wie vieles in diesem Film. Vielleicht ging ja auch der Produktion nach der Hälfte das Geld aus. Was auch immer passiert ist: Man merkt es.

Was die Besetzung angeht, bin ich zwiegespalten. Sarah Stouffer und Allison McAtee sind beide blond, beide hübsch und Stouffer verleiht Jackie ab und an ein paar niedliche, tasächlich lesbisch wirkende Szenen. McAtee ist oftmals nicht mehr als blond und hübsch. Nur kann man SchauspielerInnen schlecht vorwerfen, dass sie einem Charakter nicht viel Tiefe gegeben haben, wenn der Film in 80 Minuten gequetscht wurde, in 80 schön gefilmte Minuten, das muss man allerdings eingestehen.

Ich habe einmal den Vergleich gelesen, dass Lesbenfilme das Essen seien, das dir deine Freundin kocht: Du siehst ihr gerne dabei zu, du amüsierst dich vielleicht auch drüber und selbst, wenn du weißt, dass es am Ende fürchterlich schmeckt, nimmst du trotzdem den ein oder anderen Bissen. Bloomington ist genau das, es ist ein „Mhhh! Ja, total lecker, Schatz! Aber ich schiebe uns lieber noch die Tiefkühlpizza in den Ofen!“ – Film. Aber wer auf diese Art von Film steht, kann ihn sich gefahrenfrei ansehen. Es tut auch (kaum) weh.

Bloomington (Editon Salzgeber) – DVD um die 20 Euro

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