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Tina Feys „Bossypants“

29. Mai 2011

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„Once in a generation a woman comes along who changes everything. Tina Fey is not that woman, but she met that woman once and acted weird around her.“ (Klappentext)

Mir schossen viele Gedanken durch den Kopf, als ich Bossypants gelesen habe.

Einer davon war, dass ich wie Tina Fey sein möchte, wenn ich groß bin. Ganz offensichtlich stecke ich mir meine Ziele nicht niedrig.
Ein anderer war, dass ich endlich wieder ein Buch habe, das ich jedem schenken und dabei fröhlich „Ich habe es geliebt, lies es bloß!“ sagen kann, nur um es dann Jahre später ungelesen als Stütze unter einem wackelnden Tisch zu finden. Nicht, weil das Buch schlecht ist, sondern weil es in meinem Bekanntenkreis anscheinend „in“ ist, Dinge die ich empfehle, komplett zu ignorieren. Nicht, dass mich das traurig machen würde, ich werde es immer und immer wieder versuchen, so wie eine Fliege immer und immer wieder gegen Fensterscheiben fliegt, auf der Suche nach ihrem Weg in die Freiheit.
Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, non-fiction, das mir so gefallen hat. Man könnte also sagen: Ich liebe Bossypants.

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass Tina Fey großartig ist. Sie ist witzig, erfolgreich, Feministin, erklärte Freundin der LGBT-Szene, schlagfertig und vor allem ehrlich – alles Dinge, die sie in ihrem ersten Buch Bossypants vereint. Mit Erfolg: In den USA hält sich das Buch auf Platz 1 der Bestsellerlisten.

Die Comedian deutsch-griechischer Abstammung beschreibt in ihrem Buch nicht stringent ihren Werdegang nach oben oder langweilt mit halbgaren Tipps, wie man „als Frau“ erfolgreich sein kann. Das Buch ist mehr eine Ansammlung vieler kleiner, wundervoller Essays in einer chronologischen Reihenfolge. Fey sagt, das sei allein dadurch begründet, dass ihr Leben zu langweilig sei, um es von Anfang bis Ende zu erzählen – es fehlten schlicht und ergreifend die One Night Stand- und Entzugsklinik-Storys. Aber auch oder gerade weil dieses Buch in mal kürzere, mal längere Essays unterteilt ist, funktioniert Bossypants so gut. So schreibt sie, wie sie Sarah Palin das erste Mal traf, wie sie zu SNL gelangte, wie die Clintons sie nach ihrem Auftritt bei Weekend Update bei SNL anriefen, wie sie mit einer Impro-Comedygruppe durch die Lande zog, ihre beiden besten Freundinnen in der Highschool zwei 25-jährige Lesben waren und wie sie auf ihren Hochzeitsreise erlebte, was es heißt, wenn auf einem Schiff dreimal das Wort „Bravo“ durch die Lautsprecher schallt. Sie schreibt darüber, wie es war zu dünn zu sein und später ein wenig mollig, wie sie erfuhr, was ihre Periode ist, welche Körperteile sie von sich selbst liebt und welche die Gesellschaft lieben möchte und dass ihr allerliebstes Fotoshooting, das sie je hatte, mit der BUST war.

Some people say  it’s a feminist issue [Photoshopping]. I agree, because the best Photoshop job I ever got was for a feminist magazine called BUST in 2004. It was a low-budget shoot in the back of their downtown office. There was no free coffee bar or wind machine, just a bunch of intelligent women with a sense of humor. I looked at the two paltry lights they had set up and turned to the editors. „We’re all feminists here, but you’re gonna use Photoshop, right?“ „Oh, yeah,“ they replied instantly. Feminists do the best Photoshop because they leave a meat on your bones. they don’t change your size or your skin color. They leave your disgusting knuckles, but they may take out some armpit stubble. Not because they’re denying its existence, but because they understand that it’s okay to make a photo look as if you were caught on your best day in the best light. (p. 159-160)

Bossypants ist kein Almanach für diejenigen, die wissen wollen, wie das denn nun geht mit dem „Erfolgreichsein“. Genauso wenig ist es eine „One Women Show“ in Buchform, in der Tina Fey vorgibt eine unglaublich starke Frau zu sein. Denn sie ist eine starke Frau, die in ihrem Buch an keiner Stelle Schwächen von sich schön redet oder gar Angst vor ihnen hat. Wenn sie im Büro weint, dann weint sie, und wenn sie zugibt, nicht gut im Verhandeln zu sein, dann ist das keine „weibliche Schwäche“, die es zu beseitigen gilt, sondern einfach ihrer charakteristischen Eigenschaften.

Bossypants ist ein Ernstlingswerk einer bemerkenswerten Frau, die stolz darauf ist, was sie erreicht hat, wie sie es erreicht hat und nur eines tut: Uns auf ihre Weise davon zu erzählen.

Wir erfahren im Buch nicht, wer nun die Frau ist, die alles in ihrer Generation veränderte und bei der Tina Fey sich seltsam benommen hat. Tina Fey mag eine solche Frau vielleicht noch nicht sein, aber sie ist auf alle Fälle eine Anwärterin darauf.

Bossypants bei Amazon kaufen. Die Hörbuch-Freunde unter euch werden sich freuen, dass Tina Fey das Hörbuch selbst spricht.  Seit 1. Juni 2012 ist Bossypants (mit dem etwas irreführenden Untertitel „Haben Männer Humor?“) auch auf deutsch erhältlich (Rowohlt Polaris)!

Don’t be fooled. You’re not in competiton with other women. You’re in competition with everyone.

2 Comments

  • Reply Arina 4. Juni 2011 at 22:10

    Klingt interessant und unterhaltsam. Leider ist meine Leseliste im Moment so lang, meine Zeit so kurz und mein Englisch etwas eingerostet (was dem Spaß an der Freude abträglich ist, ich sollte mal wieder ein englisches Kinderbuch lesen, um wieder rein zu kommen)! Aber ich schreibe es auf meine Merkliste.

    …“sondern weil es in meinem Bekanntenkreis anscheinend “in” ist, Dinge die ich empfehle, komplett zu ignorieren“ – Das halte ich schlichtweg für ein Gerücht! Ich habe zwar spontan kein Beispiel parat, aber ich nehme deine Empfehlungen ernst (vor allem musikalisch und filmtechnisch!) und wenn es sich um Bücher handelt, versuche ich es in meinem sehr engen Leseplan unterzubringen bzw. hole mir so viele Informationen, um zu wissen, ob ich es tatsächlich lesen will (denn Geschmäcker sind verschieden, wie wir wissen und ich fänd’s schade, ein Buch anzufangen und dann nicht fertig zu lesen, grade weil du es empfohlen hast.

  • Reply Arina 3. Juni 2012 at 16:57

    Das Buch gibt es auch auf Deutsch, erschienen bei Rowohlt Polaris, übersetzt von Karolina Fell und Silke Jellinghaus, 288 Seiten, 13.95 Euro.

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