Filme Queer Life

Zielgruppenkino: The Roommate

3. Mai 2011

Wenn man The Roommate nach der vergangenen Oscar-Saison guckt, möchte man sagen: Hier ist ein Film für Leute, denen Black Swan schauspielerisch und inhaltlich zu anspruchsvoll war. Der Vergleich hinkt – Ballettdrama vs. College-Thriller – und liegt doch so unglaublich nahe: Zwei junge Frauen oszillieren zwischen Freundinnen- und Feindinnenschaft, sehen sich stellenweise verblüffend ähnlich; dazu hat eine der beiden derbe psychische Probleme; die Spannung steigt; es gibt eine kleine lesbische Szene und am Ende…

Natürlich ist Leighton Meester keine Natalie Portman. Das Gossip Girl hat derweil eine gewisse Fangemeinde und sich als It-Girl etabliert. Als Hauptfigur in einem Thriller ist sie nicht ungeeignet, wie ihre wirklich fiesen Blicke beweisen. So ist sie die meiste Zeit ihrer Szenen damit beschäftigt entweder böse zu starren oder zu schmollen. Was bei ihr beides gleichermaßen unheilvoll sei kann. Die eigentlich hübsche Minka Kelly, laut Esquire The Sexiest Women 2010, spielt leider kaum gegen ihr eingemeißeltes Werbelächeln an. Ein Teenie-Held namens Cam Gigandet (O.C., Twighlight) ist auch noch dabei. Serienjunkies strömen ins Kino…

Weitere ausgeworfene Köder sind zahlreiche Anspielungen an Hitchcock: Leightons Figur heißt tatsächlich Rebecca, die Produktionsfirma Vertigo und eine blutige Duschszene gibt’s auch. Dazu eine zielstrebige lesbische Künstlerin als Nebenfigur (Danneel Ackles). Diese ist leider naiv und leicht verführbar, also eher uninterressant. Identifikationspotential bietet da schon eher die Ausgangssituation: Jeder Mensch mit WG-Erfahrung wird die unterschwellige Angst vor den möglichen Abgründen des Wohnpartners nachvollziehen können. Die gängige Praxis an den Colleges, Roommates einfach zuzuteilen, treibt diese Ungewissheit schließlich auf die Spitze.

Laut Sony Mallhi, einem Filmproduzenten der hier sein Drehbuchdebüt abliefert, hätten wir doch alle schon mal gestalkt. Wem diese Weltsicht ebenso fremd ist wie mir, kann beruhigt sein: Die böse Stalkerin erkennt man an eindeutigen Signalen. Zum Beispiel hängt sie gleich neben ihre Designer-Klamotten das Plakat „The Devil Wears Prada“. Und was macht das reiche Teufelchen dann so? Es verkündert der Zimmergenossin: „Soon you will be all mine.“ Daraufhin räumt es den übergriffigen Prof, den anhänglichen Ex, ein Kätzchen und zwei liebenswerte Freundinnen aus dem Weg. Strategie im Guten wie im Bösen ist die durchgängig erfolgreiche Verführung…

Nicht im Bild: Minka Kelly

Mehr braucht zur Story nicht gesagt werden, der Grund-Plot ist aus den Ripley-Geschichten oder Filmen wie „Weiblich, ledig, jung sucht“ bekannt. Wer’s wirklich wissen will, kann sich ja den Trailer ansehen.

Letzte Frage (SPOILER ALERT!):

Hat Leighton in Wahrheit eine Doppelrolle, da es Minka Kelly gar nicht gibt? Gäbe das dem eher pointenfreien Film eine tragische Dimension?? Unheimlich! Obwohl wir beim Thema bipolarer Selbstmord dann bloß wieder bei Black Swan wären…

Interpretationsnansätze bitte in die Kommentare!

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar