Filme Queer Life

Review: Sucker Punch

12. April 2011

Jetzt habe ich es doch getan, ich habe Sucker Punch gesehen. Mit Freundin, Sekt und Popcorn bewaffnet saß ich im riesigen Kinosaal eines Multiplex und hatte Angst, was mich erwarten würde. Denn die anderen Besprechungen von Sucker Punch waren schlicht Verrisse und niemand hatte bisher etwas Gutes darüber zu berichten. Und trotzdem saß ich im Kino und war schon nach der Anfangssequenz etwas verwirrt.

Das Ganze wirkte wie das Ende eines ganz anderen Filmes, der einfach fehlte. Unterlegt von einem Remix von Sweet Dreams, hangelt sich die Hauptdarstellerin Emily Browning an ihrem Haus entlang, um wenig später auf ihren bösen Stiefvater zu schießen und ihre kleine Schwester tot aufzufinden. Dann sieht man sie bewusstlos im Auto des Vaters in eine psychiatrische Anstalt fahren, die eher wie ein eingefallenes, altes Gefängnis wirkt.

Schließlich wechselt die bedrückende, graue Klinikatmosphäre in ein bunteres Bordellambiente. Ohne Erklärung, nur im Kopf der Hauptdarstellerin namens Baby Doll. Eine Erleichterung für die Augen ist es allerdings, also lässt man es durchgehen. Auch, dass die Darstellerinnen plötzlich aus ihrem grauen Kittel heraus und in sehr knappe Kostümchen hineingeschlüpft sind.

Eine Gruppe von fünf Mädels rottet sich zusammen, um zu fliehen, angeführt von Baby Doll. Aus dem Bordell, der Klinik, aus was auch immer, sie wollen raus. Und zwischendurch tanzt Baby Doll den versammelten Leuten etwas vor, was (natürlich) vor allem die Männer fasziniert, und taucht im Tanzen in ihre eigene Traumwelt ab. Den Teil, den man im Trailer schon ausgiebig bewundern konnte, beginnt und Baby Doll taucht während sie tanzt, ein in eine Welt mit Riesen-Samurai, (natürlich) deutschen Zombiesoldaten, Drachen und Robotern, die es zu bekämpfen gilt. Eine Welt, die oft so wirkt, als würde man jemandem beim Gaming zusehen, die nichts für Leute ist, die zu Motion Sickness neigen und die aus dem Kopf eines 14-jährigen Über-Nerds hätte entsprungen sein können. Die Kostümchen sind eng, die Brüste quasi unter das Kinn geschnallt und selbst an den Waffen der Mädels baumeln kleine, bunte Anhänger.

Kurzum, es war traurig. Da war nichts von den toughen Mädels, die kräftig Ärsche treten – eben das, was ich mir gewünscht hätte. Der Ansatz, der war da. Aber der kam nicht gegen die ständigen Fast-Vergewaltigungen und die Tatsache an, dass Baby Doll, während sie in ihrer Phantasie gerade mit ihrem Samuraischwert jemandem vierteilt, einen so obszönen Tanz aufführen muss, dass niemand  mehr wegsehen kann.

Ich kann nicht behaupten, dass ich enttäuscht bin. Ich habe schließlich überall gelesen, wie es in dem Film zugeht, und dass es kein emanzipatorisches Meisterwerk ist. Trotzdem konnte ich dem Film , trotz allem, irgendwie etwas abgewinnen. Das mag daran liegen, dass ich vorbereitet war oder, dass ich sehr gerne Leute beim Gamen zusehen, aber hauptsächlich wohl daran, dass der Soundtrack das in Perfektion tut, was die Mädels versuchen: Arsch treten. Und zwar richtig.

Neben einem Remix von Army of Me von Skunk Anansie, einem Lied von eben selbigen, einem genialen Remix von Sweet Dreams, gesungen von Darstellerin Emily Browning, ist auch ein Mash-Up Remix von zwei Queen-Liedern auf dem Soundtrack zu finden. We will rock you und I want it all. Eigentlich Frevel! Aber es funktioniert. Die White Rabbits sind auch noch mit dabei und man muss sich wundern: Die Browning kann singen!

Ist Sucker Punch alles, was ich gehofft hätte?

Definitiv nicht, nein. Der Film ist weit ab davon das zu sein, was ich mir und viele andere sich erhofft hatten. Aber auf eine perfide Art und Weise, hat mich dieser Film fasziniert und ist hängen geblieben. Am Ende und noch Stunden danach, fühlte ich mich tatsächlich wie der Titel es sagt: ge-sucker punched.

Wer 300 oder Watchmen mochte und/oder noch die Dead or Alive-Verfilmung, der ist bei Sucker Punch genau richtig. Und einen richtig vergleichbaren Film, den gibt es tatsächlich nicht.

Alle anderen sollten sich nur den Soundtrack besorgen. Den aber unbedingt.

1 Kommentar

  • Reply @CP 12. April 2011 at 23:22

    jo, du triffst es auf den punkt. der ist nicht dass was ich mir erwartet habe, aber leicht beduselt in der birne, mit freund und popcorn war es ein unterhaltsamer freitag-abend.
    durch externe geistige stillegung flimmerte dieses kamera-gewackel und zeitlupen monstrum an mir vorbei und ich dachte die ganze zeit: „I don´t what´s happening, but I LIKE IT!“
    wer braucht schon eine story oder halbwegs konsistente abläufe wenn man Zack Snyders lieblings-games „God Of War“, „Killzone“ oder „Star Wars: The Force Unleashed“ mit knapp bekleideten mädels, des „Kaizer´s“ („resurrected by clockwork and steam“ lol) zombies und geilem soundtrack im kino sehen will.
    ausserdem haben sie richtig sprechende deutsche für die nazi-zombies genommen ;D (ist ja in hollywood nicht selbstverständlich)

    hirn: aus
    Sucker Punch: an
    @home Playstation: an

    ps: damit ich nicht nur schleime: ein kleines bißchen character-development hätte ich mir schon gewünscht und ich würde mich gerne an mehr erinnern als die blonde, die brünette und die asiatin. aber für einen etwas tiefergehenden dialog auf der serviete von drehbuch war echt kein platz mehr:

    – weird introduction
    – action
    – cooking
    – action
    – bordello
    – action
    – pause (dialog optional)
    – action
    – something „heroic“ at the end
    —> producer wants chicks in leather
    – pick up dry cleaning

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