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Die Welt des Burlesque

7. April 2011

Arina ist leidenschaftliche Tänzerin und setzt sich seit geraumer Zeit mit der Faszination des Burlesque auseinander. Für uns hat sie einen Artikel mit ihren Einblicken und Erfahrungen verfasst. Arina ist Buchhändlerin sowie freie Schreiberin und arbeitet derzeit in Berlin.

Spätestens seit dem gleichnamigen Film mit Christina Aguilera und Cher in den Hauptrollen (den ich übrigens nur empfehlen kann, denn visuell und klanglich ist das ein Bonbon der Extraklasse, auch wenn die Geschichte eher vorhersehbar, aber trotzdem süß ist), dürfte diese Kunstform, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts in den USA mit Lydia Thompson und ihren British Blondes auf Erfolgskurs ging, hoffentlich ein Comeback auch in Europa erleben. In den USA machen diverse Tänzerinnen und Ensemble schon länger von sich Reden. So verkündete in den 1990ern die Gruppe The Velvet Hammer Burlesque die Wiederauferstehung des erotischen, kabarettistischen Entkleidungstanzes als Neo Burlesque (auch New Burlesque).

Bekannteste Vertreterin ist wohl Dita von Teese. Auch wenn sie die ungeschlagene Königin des Glamour sein dürfte, ist sie noch lange nicht alles, was die Burlesque-Szene zu bieten hat. Neben Dita von Teese gibt es auch Künstlerinnen wie Dirty Martini, Kitten DeVille, Cathrine D’Lish, Michelle D’Amour , Jo „Boobs“ Weldon, Immodesty Blaize, Miss Indigo Blue… Nur um einige wenige zu nennen.

Catherine D’Lish, die Dita von Teese nicht nur das Martiniglas geliehen hat, sondern auch viele Kostüme für die Glamour-Königin entworfen hat. © cdlish.com


Dirty Martini and the New Burlesque (teaser)


Ernie von Schmaltz (eine ehemalige Schülerin von Miss Indigo Blue)

Jo „Boobs“ Weldon, Leiterin und Dozentin der New York School of Burlesque hat 2010 „The Burlesque Handbook“ bei !t Books veröffentlicht, das von Aufwärmübungen, kleinen Routinen mit Federboa, Handschuhen oder Fächer, Pastiebastelanleitungen bis hin zu Tipps für die Findung des Künstlernamens und einem kurzen Exkurs in die Benimmregeln hinter den Kulissen keine Wünsche offen lässt und sowohl für Interessierte, Anfänger als auch Profis interessante Lektüre sein dürfte.

Broschiert: 272 Seiten • Verlag: It Books (1. Juni 2010) • Sprache:Englisch • ISBN-10:006178219

Neben vielen Büchern (leider alle auf Englisch) gibt es auch zahlreiche Dokumentationen. Beispielsweise „A Wink and a Smile“ (nur Englisch), wo Schülerinnen des Burlesque 101 Kurses an der Academy of Burlesque in Seattle unter der Leitung von Miss Indigo Blue und The Shanghai Pearl begleitet werden. Für mich war dies eine der intimsten Dokumentationen und es hat mich zu Tränen gerührt, als The Shanghai Peral – wie ihr Name vermuten lässt, mit chinesischen Wurzeln – über ihren Weg zur Burlesquetänzerin sprach und erklärte, dass ihre Eltern noch immer nichts von ihrem Doppelleben wüssten, weil das vollkommen dem widerspreche, was man der jungen Frau über den Stellenwert und die Rolle von Frauen beigebracht habe.


Trailer zu „A Wink and a Smile“

Eindrucksvoll und glamourös ist auch die Dokumentation über, von und mit Immodesty Blaize mit dem Titel „Immodesty Blaize – Burlesque Undressed“ (mit deutschen Untertiteln auf der DVD). Ich würde sagen, sie ist wahrlich ein kurvige Frau, die das Spiel mit Erotik und Witz zur Perfektion gebracht hat. She puts the amour into glamour!


Trailer zu „Immodesty Blaize – Burlesque Undressed“

Wenn man die Suchmaschinen im Internet befragt, findet man eine große Menge mehr Material wie Videos, Bilder, Interviews, Blogs… Auch auf facebook tummeln sich die verschiedensten Künstlerinnen (und auch Künstler des sogenannten Boylesque) und halten ihre Freunde und Fans dort auf dem Laufenden über Events, Auftritte und Projekte.

Dirty Martini
Jo Weldon
Catherine D’Lish
Immodesty Blaize

Vor allem dürfte eins auffallen: die Frauen entsprechen selten den gängigen Schönheitsidealen. Sie sind oft älteren Jahrgangs, sehr, sehr kurvig und weit davon entfernt augenscheinlich schön zu sein. Aber was ist schon Schönheit? Sie inszenieren sich, entwickeln ihren eigenen Charme, ihr Sexappeal, ohne sich dabei je zu wichtig zu nehmen. Denn das ist eine der wichtigsten Grundregeln: Spaß haben! Und das geht nur, wenn man sich selbst so liebt, wie man ist und über seine „Problemzonen“ lachen kann. Besonders angenehm empfand ich bei meinen Berührungen mit der Burlesque-Szene, dass man sehr großen Respekt, Liebe und Anerkennung vor allem für die älteren Tänzerinnen hat (auch jene, die die 50 schon weit überschritten haben!). Es ist wahr: ein junges, knackiges Ding mag zwar aufreizend tanzen können, aber die Erfahrung und die Verführungskraft kommt tatsächlich erst mit den Jahren.

Ein kleiner Selbstversuch hat mich ins Schönheitstanz-Studio in Berlin geführt, wo Lady Lou mir in einem intensiven Wochenendkurs einen kleinen Einblick in die verschiedenen Spielarten und den Umgang mit verschiedenen Utensilien wie Federboa, Handschuhen und Stühlen gegeben hat. Es war sowohl spaßig, als auch anstrengend, denn bei all dem Glamour, Glitzer und Witz, darf man nicht vergessen, dass hinter jeder Show eine Menge Arbeit steckt.


Eine Performance von Lady Lou

Um es mit Miss Indigo Blues Worten zu sagen: Die Künstlerin betritt die Bühne, Magie passiert, dann verlässt sie die Bühne wieder – mit ein bisschen weniger an…

Am 23. April findet das nunmehr achte Berliner Burlesque-Event LA FÊTE FATALE statt, wo auch Lady Lou auftreten wird.

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