Filme Queer Life

Die blassen Girlies von St. Trinian

22. Februar 2011

Bevor ich mich dieses Jahr in das Politik- und Kunst-Filmabenteuer der Berlinale stürzte, verbrachte ich einen Abend mit zwei Freundinnen, zwei Tüten Chips und zwei frisch eingetrudelten DVDs: „Die Girls von St. Trinian“, nebst Fortsetzung, ist ein anspruchsloses Teenie-Filmchen mit nicht ganz überzeugender Girl-Power-Attitüde und jede Menge Slapstick. Wie man es in einer Internatsgeschichte erwartet, sorgen Röckchen, Strümpfe und, äh, Hockey-Schläger für die visuellen Reize. Auf eine Story wird zum Glück weitestgehend verzichtet, so dass es statt herzzerreißender Liebesgeschichte hier ein herrliches Rumgezicke und Intrigenspiel zu ertragen gilt. So sehr diese Mädels die Welt auch hassen, um den Erhalt ihrer Anarcho-Schule zu retten, zeigen sie vollen Einsatz.

Die Männer des Films – Stephen Fry, Colin Firth, Rupert Everett – sind deutlich besser besetzt als die weiblichen Parts: Lena Headey sieht man kaum und der Coolness-Faktor der jungen Mädchen misst sich offenbar an der Sättigung des Lippenstift-Rots im gepuderten Gesicht. Freude machen aber ein paar Nebenfiguren, zum Beispiel die von Lilly Cole oder Juno Temple. Deren Charaktere sind leider im zweiten Film über die Schmerzgrenze hinweg überzeichnet. Rupert Everett ist ganz klar der Star des Films; in seiner Darstellung der verrückten Schuldirektorin – und ihres Bruders – liegt der nötige Ernst für eine Komödie. Everett arbeitete mit den Regisseuren Oliver Parker und Barnaby Thompson schon in den Oscar Wilde-Verfilmungen The Importance of Being Earnest und An Ideal Husband zusammen. Seine Cross-Dressing-Szenen als Pirat und als Julia am Ende von St. Trinian reihen sich in diese Verwechselungsgeschichten ein. Nett, dass auch die Mädchen mal kurz in die Uniformen des Jungsinternats schlüpfen dürfen.

Wo der erste Film noch mit Überraschungseffekten und sinnfreiem Chaos daherkommt, ist das Sequel ein wirres Gemisch aus allen denkbaren Genre-Versatzstücken. Immerhin kann der zweite Film mit einer äußerst amüsanten Pointe aufwarten, die hier natürlich nicht verraten wird. Nur soviel: Wir haben es ja immer geahnt!

Der Trailer macht Appetit auf den Soundtrack. Der Terror von Lookism und Gruppenbildung wird auch schön karrikiert:


St. Trinian’s: School For Bad Girls (Theatrical Trailer)

Apropos DVD-Extras: Nein, ihr wollt den Tanzkurs nicht sehen, denn der geistert euch sonst ewig im Kopf herum… Ich geh stattdessen mal auf die Suche nach den alten St.Trinian-Girls aus den 60s. Die hatten noch Stil, guckt euch bloß mal die Beine an!

Vor allem die Orginal-Comic-Vorlage, die Ronald Searle schon 1948 erfand, sieht ungleich düsterer (!) aus als die bunten Neuverfilmungen. Anti-Enid Blyton-Geschichten sind sie aber allemal – ich sag nur: Voodoo am Nachmittag!

1 Kommentar

  • Reply F 22. Februar 2011 at 17:38

    ganz klar, st. trinian ist kein pflichtprogramm! …aber, es gibt ein paar szenen/momente die fetzen…auch wenn’s nur wenige sind 😀

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