Kultur Queer Life

Othello im Deutschen Theater Berlin

11. Februar 2011

Ich war etwas angesäuert, als meine Freundin und ich in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin Platz nahmen. Unsere Plätze kann man wohl am besten mit „Mittendrin, statt nur dabei!“ beschreiben. Ich sitze weder im Kino, noch in der Oper und auch nicht im Theater gerne vorne. Meinem Nacken und meinen Ohren zuliebe. Aber das sollte sich ändern, als ein paar Minuten nach Beginn sich zwei attraktive Frauen vor uns anfingen innig zu küssen. „Gut“, dachte ich, legte den Kopf schief, sah den beiden Damen beim Knutschen zu und zuckte zusammen, als hinter mir jemand laut „Desdemona!!“ schrie und mit einer Kamera in der Hand auf den Sitz kletterte und die beiden filmte.

Desdemona? Was soll das denn jetzt Dusseliges sein? Es ratterte und dann kam auch bei mir an, dass da vor uns gerade Othello und Desdemona rumgeknutscht hatten.

Dass Othello von einer Frau gespielt werden würde, nämlich von Susanne Wolff, hatte ich natürlich vorher gelesen und auch der Handlungsstrang von Othello war mir nicht fremd. Die Idee Othello mit einer weißen Frau zu besetzen, die sich innerhalb des Stückes immer wieder verändert, fand ich schon vorher großartig. Diese Vorfreude sollte sich bestätigen.

Denn Susanne Wolff spielt verdammt gut, ob nun mit Kurzhaarperücke, Affenkostüm, Tank Top oder im roten Minikleid – es macht Spaß ihr zuzusehen. Genauso wenig muss sich Meike Droste als Desdemona schämen und Ole Lagerpusch stiehlt ab und an mit seiner Interpretation von Jago allen die Show.

Das Stück ist kürzer als eine „normale“ Othelloinszenierung, auch einige Rollen wurden ausgelassen und der Einsatz eines Beatboxkünstlers mag unkonventionell erscheinen, aber genau das macht diese Othelloinszenierung ja so spannend. Außerdem hat Susanne Wolff eine so schöne Stimme, dass ich ihr sogar dabei zuhören würde, wenn sie das Telefonbuch vorliest.

Othello wird am 14.02. wieder in das Programm des Deutschen Theaters aufgenommen. Dem Tag, an dem uns allen erzählt wird, dass wir Rosen verschenken und verliebt in die Augen glotzen sollen.

Dann doch, oder gerade deswegen, lieber gutes Theater mit einer Extraportion Eyecandy. Als kleiner Anreiz: Susanne Wolff als Maria Stuart im Thalia Theater in Hamburg.

Wann Othello noch gezeigt wird, könnt ihr hier auf dem Spielplan vom DT nachlesen.

Bilder zu dieser Inszenierung habe ich auch zugeschickt bekommen, leider erwiesen diese sich als völlig unbrauchbar zum Posten. Angucken kann man sich die hier, hier, hier und auch hier.

1 Kommentar

  • Reply Nadin 18. Februar 2011 at 10:14

    Susanne Wolff ist übrigens gerade auf der Berlinale neben Jeanette Hain in „Komm mir nicht nach“, Dominik Grafs Beitrag zur „Dreileben“-Trilogie, zu sehen. Die dürfte dann spätestens im Herbst im TV laufen.
    http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20113569

  • Schreibe einen Kommentar