Filme Queer Life

Der Kweens-Berlinale-Wegweiser

10. Februar 2011

Wieder einmal steht uns Berliner_innen eines der größten Filmfestivals der Welt ins Haus. Heute abend wird die große Eröffnung gefeiert und ab morgen gibt es ein vollgepacktes Programm. Wer Zeit zum Filmegucken (und Schlangestehen) hat, will natürlich unbedingt dabei sein. Doch es ist nicht leicht sich aus weit über 300 Filmen, die zum Großteil noch kaum jemand gesehen hat, die richtige Auswahl zusammenzustellen oder sich gar für einen oder zwei Filme entscheiden zu müssen. Nach der ersten Recherche kann ich euch schon ein paar Empfehlungen mit auf den Weg geben – oder euch auf Filme neugierig machen, die zum Teil bald auch anderswo zu sehen sein werden.

Das lesbische Highlight der diesjährigen Berlinale dürfte Chang-Pi-Hae (Ashamed) von Soo-hyun KIM sein, der erste lesbische Liebesfilm aus Korea. Eine Kunstprofessorin, ihre Schülerin, ein Model und eine Taschendiebin sind die sehr selbstbewussten Figuren dieses Films der Sektion Panorama, wo es traditionell am meisten LGBT-Filme zu sehen gibt.

Ashamed (KIM Kkobbi, KIM Hyo-jin)

Der französiche Beitrag zum queeren Programm ist Tomboy der Regisseurin Céline Sciamma (Water Lillies, im Panorama). Die kleine Laure zieht in eine neue Nachbarschaft. Um schnell neue Freunde zu finden, kleidet sie sich als Junge – und lernt Lisa kennen, die sich in sie verliebt…

Tomboy (Zoe Herran)

Zur Transgender-Thematik gibt es auch einen deutschen Film im Panorama: Romeos von Sabine Bernardi erzählt die Geschichte um den 20jährigen Transmann Lukas (Rick Okon), seinen Alltag, das Testosteron und die schwule Liebe… Den Trailer und weitere Bilder gibts bei Facebook. Sieht schön aus, vor allem schön sommerlich.

Romeos (Rick Okon)

Voll winterlich extremer Landschaften ist dagegen Fjellet (The Mountain). In dem Debüt des Norwegers Ole Giaever reflektieren zwei Bergsteigerinnen während einer fünftägigen Wanderung ihre Beziehung und versuchen mit dem Verlust des gemeinsamen Kindes klarzukommen.

Fjellet (Ellen Dorrit Petersen, Marte Solem)

Mit Lollipop Monsters hat die Comiczeichnerin  Ziska Riemann ihr Regiedebüt in der Sektion Perspektive Deutsches Kino untergebracht. Dieser bunte Film um eine abgründige Mädchenfreundschaft bietet uns neben zwei niedlichen Jungdarstellerinnen auch Sandra Borgmann und Nicolette Krebitz als deren überforderte Mütter. Co-Autorin ist übrigens Lucy van Org. Der folgende Ausschnitt zeigt noch nicht den „Strudel aus Pop, Super-8, Clipästhetik, Erotik, Horror und expressiven Kohlezeichnungen“ (Zitty), sondern stellt uns erstmal alle wichtigen Figuren vor:

Dieser Anti-Barbie-Clip macht dann richtig Lust auf den Film, der im Sommer 2011 in den Kinos anlaufen wird.

Toast (Helena Bonham Carter, Freddie Highmoore)

Helena Bonham Carter ist dieses Jahr nicht nur im Oscar-Favoriten The King’s Speech zu sehen, sondern auch in SJ Clarksons 60s-Komödie Toast, in der sie mit ihrem Stiefsohn Nigel (Freddie Highmoore aus Charlie and the Chocolate Factory) einen Kampf um die Vorherrschaft in der Küche austrägt. Beide Filme laufen in der Reihe Berlinale Special, also im Wettbewerb außer Konkurrenz. Hier ein Ausschnitt des schrägen BBC-Films (mit dem jungen Nigel):

Der Kleine hat übrigens nicht nur ein Vorliebe fürs Backen, sondern auch für muskulöse Männer…

Außerdem freue ich mich sehr auf Miranda Julys zweiten Spielfilm The Future (im Wettbewerb)! Nichts Homosexuelles, auch wenn die beiden Hauptfiguren sich recht ähnlich sehen. Es geht um ein Pärchen in den 30ern, das vor der Adoption einer Katze sein Leben überdenkt. In Mirandas Julys tragikomischer Erzählweise ist das sicher sehr bezaubernd. Und ich frage mich, was auf diesem Szenenbild wohl für ein Tanz zu sehen ist:

The Future (Miranda July)

Ein weiteres Highlight des Wettbewerbs ist Victoria Mahoney’s Yelling to the Sky, in dem Zoe Kravitz und Gabourey Sidibe (aus Precious) sich in einem heruntergekommenen New Yorker Stadtteil durchschlagen müssen.

Den Kurzfilm-Fans empfehle ich natürlich die Teddyrolle (am 20.2. im International). Der Teddy Award wird dieses Jahr übrigens zum 25. Mal verliehen. Wir gratulieren!

Wer auf Klassiker steht, sollte sich ein paar Ingmar Bergman-Filme in der Retrospektive anschauen: ästhetisch gefilmte harmlose Zärtlichkeiten zwischen Frauen…

Persona (Liv Ullmann, Bibi Anderson)

Darüber hinaus gibt es einige interessante Dokumentationen, vor allem in der Panorama Dokumente-Reihe: Mika Kaurismäki setzt mit Mama Africa der Sängerin Miriam Makeba ein Denkmal. We Were Here berichtet aus der Gay-Community in San Francisco über den Beginn der AIDS-Ära und homo@lv über die Konflikte rund um den CSD in Riga/Lettland. Bei The Black Power Mixtape 1967 – 1975 und vor allem beim herausragenden Projekt !Women Art Revolution – A Secret History von Lynn Hershman-Leeson können wir viel ungezeigtes Material und Interviews erwarten.

Im Forum gibt es sicher auch noch viele experimentelle Raritäten aus allen denkbaren Ländern zu entdecken, aber wer sieht da schon durch?!

Zur Einstimmung kann man jetzt schon mal den Berlinale-Trailer gucken, auch wenn der erst auf der ganz großen Leinwand richtig zur Geltung kommt! Wer am Puls der queeren Berlinale sein will, kann ab heute den Else-Blog der Siegessäule lesen.

Ich bin dann in zehn Tagen wieder erreichbar. 😉

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar