Kultur Politik

Put this on the Map – Reteaching Gender and Sexuality

29. November 2010

Über die „It get’s better“-Kampagne in den USA hatte ich im letzten Round-Up schon kurz etwas geschrieben. Wir hatten überlegt, ob wir mehr darüber schreiben oder machen, haben uns am Ende allerdings darauf geeinigt, dass es nie wirklich „besser“ wird. Der ganze Outing-Spießrutenlauf nimmt nie ein Ende. Egal wie alt man wird, man wird immer wieder Situationen wie diese durchstehen müssen:
„Wie, DU bist lesbisch? Neeeein. Das hätte ich ja gar nicht gedacht! Du siehst überhaupt nicht SO aus! Ist aber voll okay, cool, ja! Echt jetzt!“

Das „besser“ ist umfeldabhängig. Wer in einem offenen, liberalen Umfeld aufwächst, wird eine andere Weltsicht und andere Dinge erlebt haben, als jemand, der in einer Kleinstadt aufwächst und mit der Ignoranz des Dorfpöbels zu kämpfen hat. Ein gerne benutztes Argument von Heterosexuellen ist ja dieses hier: „Warum outet ihr euch? Das tun Heterosexuelle ja auch nicht!“

Warum? Weil wir immer noch nicht „normal“ sind. Die Prenzlauerberg-Mutti an der Kasse hinter einem zischt weiterhin durch die Zähne, wenn man seine Freundin küsst und der Kollege guckt immer noch leicht verstört, wenn man nicht nur von „einer Freundin“, sondern tatsächlich von „der Freundin“ begleitet wird. Es ist ein gesellschaftliches Problem, was sich nicht dadurch löst, dass man älter wird. Und je älter man wird, umso perfider werden auch die Methoden der potentiellen Ausgrenzung. Es wird nicht einfacher, nur das Fell dicker und die Art damit umzugehen, die wird im Laufe der Zeit ausgefeilter. So schön und nett das „It get’s better“-Projekt auch ist, so inspirierend es auch für manche Menschen sein kann, verfehlt es doch den Punkt. Den Punkt, den „Put this on the Map“ genau trifft.

Von 2008-2009 haben sich sechs junge Menschen aus Seattle aufgemacht eine Doku über das junge, queere Leben in den USA zu drehen. Die 34-minütige Doku „Put this on the Map“ gewann den Zuschauer- und den Jurypreis des LGBT Filmfestivals in Seattle und erfreute sich regen Zuspruches.

Die Doku ist keine Antwort auf „It get’s better“, alleine schon zeitlich gesehen, sondern viel mehr. Als Aufklärer und Sprecher reisen die Macher jetzt mit ihrem neuen Projekt zu Schulen und anderen Einrichtungen, eben um das zu tun: Reteaching Gender and Sexuality.

Reteaching Gender and Sexuality on Vimeo.

Ein wundervolles Projekt, das hierzulande seines Gleichen sucht. Ein Anfang? Man kann nur hoffen.

putthisonthemap.org

(Thx @Stef)

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