Kultur

Risk Hazekamp – Jimmy Dean & gender bending

Die niederländische Fotografin Risk Hazekamp widmet ihre Bilder der female masculinity. Sie zeigt mal idealisierte mal destruierte Butchness, vor allem in Selbstportraits. Legendäre Schauspieler und klassische Posen nimmt sie zum Vorbild ihrer Inszenierung. Trotz aller Männlichkeit bleibt Risk aber beim weiblichen Pronomen: „Ich weiß nicht, was ich mit dem Frausein anfangen soll, doch wenn ich die Wahl habe zwischen er und sie, bin ich SIE aus Solidarität.“ So auch der Titel ihrer Einzelausstellung im Berliner Projektraum Souterrain, wo zur Zeit neben Fotografien auch Videoarbeiten präsentiert werden.

Vielleicht kennt ihr die Künstlerin vom Cover der deutschen Ausgabe der „Drag King Dreams“, auf dem sie weniger Leslie Feinberg als vielmehr James Dean ähnelt. Das Kino der 50er und 60er Jahre haben es ihr angetan: Road Movies und Anti-Helden. Selbst technisch versucht die 38jährige ganz traditionell zu arbeiten: rein analog, mit altem Filmmaterial, in der Dunkelkammer.

Doch das Amerika der Nachkriegszeit ist nicht das einzige Thema der Fotoarbeiten. In anderen Bildern sieht man eine radikalere Auseinandersetzung mit Gender und Identität. Deutlich werden Fragen aufgeworfen: Wie und welche Medienvorgaben prägen unser Selbstbild? Wo zeichnet sich der Konflikt zwischen Außen- und Eigenwahrnehmung ab? Dabei geht es auch um die Vermarktung von Images im Kunstbetrieb: „Gay Art kann man sehr gut verkaufen, aber wenn man Kunst macht mit Frauen oder trans*, dann sind das viel marginalere Gruppen und dafür gibt es viel weniger Geld.“ Risk will nicht auf einen Stil, einen Gegenstand festgelegt werden. Neben toughen Frauen und weiten Landschaften soll man auch die Kritik an Konzepten von Gender und Race wahrnehmen. Ihrem Galeristen in Rotterdam hat sie gekündigt, der Marktwert soll nicht die Kunst bestimmen. Die Optik glücklicherweise schon! So sind Risk Hazekamps (beste) Bilder ein faszinierendes Beispiel für das Zusammenwirken von Subversion und Ästhetik.

Aktuelle Ausstellung bis zum 21.11.2010 im Projektraum Souterrain, Sophienstraße 21, Berlin.

Quellen:
Website der Künstlerin
Siegessäule-Artikel und -Interview

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