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Magazines to discover #2 Bend Over aka SoapZine

5. Oktober 2010

Do you want a new party? A revolution? A putsch?” – “A magazine!” Dave Eggers

Auch wenn dieses Zitat eher zufällig einen Artikel über ein lesbisches Magazin einleitet, beschreibt es ziemlich gut die Entstehungsgeschichte des Bend Over Magazine, formerly known as SoapZine. Zuerst gab es eine Berliner Party-Reihe, eine Idee, Rebellionswillen und schließlich ein immer erfolgreicheres englischsprachiges Magazin. Die bisherigen vier Ausgaben erschienen eher unregelmäßig, doch mit jedem neuen Heft wurde ein höherer Standart erreicht. Papier, Druck, Layout und Umfang steigerten sich auf erstaunliche Weise. Der künstlerische Anspruch kann längst mit manch großformatigen Hochglanzblätter mithalten. Aus dem frechen Untertitel „for dirty bitchez, nasty fags and gender bendies“ wurde die politischere Zeile „Feminism, Sexuality and Queer Art“. Seit der zweiten Ausgabe gibt es außerdem immer eine schöne Beigabe: mal eine Postkarte mit einem Motiv der Hausfotografin Goodyn Green mal einen Musik-Video-Sampler aus dem Hause Crunks Not Dead.

Und Bend Over ist das viellecht einzige Underground-Magazin mit einem erotischen Release-Musik-Video-Clip!

Ursprünglich wollte Ena Schnitzelbaumer ein kleines s/w-Fanzine über die Beteiligten der Soap-Partys zusammenstellen, doch aufgrund der großen Resonanz entstand bald ein internationales Journal über queere Szene, Kunst und Fotografie. (Es wurden Wellen geschlagen, die kürzlich selbst AfterEllen bei deren Blick über den Tellerrand erreichten.) Den Schwerpunkt setzt das Magazin auf Interviews mit DJs, Musikerinnen und Fotografinnen. Zudem werden ganzseitig Fotoserien zu den Artikeln oder eigenständig präsentiert. Als kleinere Rubriken finden sich ein Comic und das witzige Mad Libs, ein Lückentext, der zum interaktiven Lesen einläd. Die neueren Hefte machen zwar den Eindruck eines anspruchvollen Kunstmagazins – lesen sich aber unglaublich unterhaltsam mal eben so weg.

Mz Sunday Luv by Goodyn Green

Trotz des attraktiven Covers der letzten Ausgabe und des trashigen Charmes der dirty bitchez-Phase ist mein bisheriger Favorit wohl Numero 3: die Portraits von Mz Sunday Luv, die Interviews, die Death Trap Photography, die DVD, die Grafiken und schon die Haptik des Umschlags – noch mehr kann man von einem Magazin in A5-Größe wirklich nicht erwarten.

Alle Bend Over/SoapZine-Ausgaben sind nebst Postkarten, Beuteln und Abos im Online-Shop zu haben. Aktuelle Hefte gibts auch in einzelnen Läden in vielen internationalen Großstädten.

Kostproben gefällig? Online zu lesen sind der informative Artikel von Sadie Lune über Safer Sex for Queers und ein ausführliches Interview mit der Porno-Regisseurin Shine Louis Housten.

Nächste Veranstaltung: Bend Over präsentiert eine Foto-Ausstellung von Goodyn Green im Kreuzberger BUFFET – Queer Art Space, Schlesische Straße 38, 2. Hinterhof. Eröffnung am Sonntag, den 7. November 201, mit Performance von Sadie Lune. Finissage ist schon eine Woche später am 14.11.

Photo booth pic taken by Goodyn Green at Soap-Party Feb. 2009 (DJ Metzgerei & Wendy Delorme)

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