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Tilly und Sally, die Tomboys des Stummfilms

4. Oktober 2010
Alma Taylor

Alma Taylor

Alma Taylor (1895-1974) und Chrissie White (1895-1989) waren die ersten Tomboys der Kinogeschichte. In der „Tilly, the Tomboy“-Serie treiben die beiden Stummfilmheldinnen als Tilly und Sally allerlei Späße – nicht selten in Männerkleidung. „The Tilly Girls“ waren als Schauspielerinnen im Teenie-Alter kurze Zeit mit ihren Slapstick-Filmchen sehr erfolgreich und gelten als zwei der ersten echten Filmstars überhaupt. Auch später waren die Britinnen in Film und TV aktiv, besonders Alma Taylor hat sich mit rund 160 Filmen einen Platz in der Filmhistorie gesichert und trat u.a. im deutschen Film „Der Hund von Baskerville“ (1929) auf.

Chrissie White

Chrissie White

Vor einer Woche veranstaltete das Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum in Berlin eine Film- und Vortragsreihe zu Feministinnen und Kinoheldinnen der ersten Stunde. Unter dem Titel  „Frühe Interventionen. Suffragetten – Extremistinnen der Sichtbarkeit“ wurde gezeigt, wie sowohl die erste Frauenbewegung als auch ihre Gegner die neuen Medien für sich nutzten, aber auch wie sich der Geschlechterkampf in Filmkomödien widerspiegelte. Mit dabei waren Tilly und Sally. Gleich am ersten Abend brachten zwei ihrer Kurzfilme Schwung in das Programm „Radical Maid(en)s“. Christiane Rösinger berichtet im ORF: „Lustig wurde es wieder bei den frühen Tomboys aus dem englischen Film ‚Tilly in a Boarding House‘ von 1911. Die Mädchen legen heimlich ihre wallenden Kleider ab, ziehen sich Hosen an und machen in einer unbändigen Freude an bösen Streichen, Zerstörungswut und Schadenfreude die Gegend unsicher.“

Tilly in a Boarding House, GB 1911

Tilly in a Boarding House, GB 1911

Einen allerersten Einblick in die Welt von Tilly und Sally gibt es hier mit dem Kurzfilm „Tilly, the Tomboy, Visits the Poor“ von 1910. Die Moral von der Geschicht: „Charity covers a multitude of sins.“ Das wirkt heute wie eine Parodie auf das medienwirksame Eintreten so einiger Hollywood-Stars für diverse Hilfprojekte. Weniger frei assoziert, könnte man sagen: Der Film zeigt wieder mal, dass das mädchenhafte Verhalten und die selbstlose Aufopferung der Frau nur erlernte Fassade sind. Weiblichkeit als Maskerade eben. 😉

Wer neugierig geworden ist auf weitere wilde Stummfilm-Rebellinnen kann sich die DVD „Cento anni fa: Attrici comiche e suffragette 1910-1914 / Vor 100 Jahren: Komikerinnen und Suffragetten 1910-1914“ besorgen, auf der Mariann Lewinsky viele Fundstücke aus internationalen Filmarchiven präsentiert.

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