Filme Queer Life

Tilda Swinton auf der Preview von “Io sono l’amore – I Am Love”

14. September 2010

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Welch glamouröser Wochenstart: Im überfüllten Berliner Kino International präsentierten Tilda Swinton und der Regisseur Luca Guadagnino am späten Montag ihren neuesten Film „I Am Love“. Ganze elf Jahre arbeiteten sie an dem beeindruckenden Familiendrama, das nicht das letzte Projekt ihrer Love Factory (Titel der gemeinsamen Doku von 2002) gewesen sein soll. Von weiteren Plänen wurde noch nichts verraten, vom abgeschlossenen Film dafür umso mehr geschwärmt. Wegen mangelnder Mikros und des etwas nervösen Organisators von Mono.Kultur kam das Publikumsgespräch mitunter ins Stocken. Auch Guadagnino, der gerade noch in der Jury des Filmfestivals in Venedig gesessen hatte, war an diesem Abend nicht so gesprächig wie die souveräne Schauspielerin. Doch beide zeigten deutlich ihre Begeisterung für den Film und das große Thema der bedingungslosen Liebe, die jeden Schicksalsschlag übersteht.

 

Und tatsächlich war der Film nach anfänglicher Irritation wirklich mitreißend. Hier ein Trailer, der nicht nur perfekt die Stimmung(swechsel) des Films und Tildas Präsenz einfängt, sondern auch einen ganz kurzen Blick auf Betta und ihre Londoner Geliebte zeigt:

Mit fast altmodischen Kinobildern, üppigen Orchesterklängen (von John Adams) und gewagten Kamerafahrten werden wir in die Welt der Mailänder Industriellenfamilie Recchi gezogen. Bei der großen winterlichen Geburtstagsfeier verkündet der Patriarch, das Unternehmen nun an Sohn und Enkel zu überschreiben – und bringt damit die Auflösung der verfestigten Familienstrukturen ins Rollen. In diesem ersten Teil sind die Frauen noch um Einhaltung der Konventionen und die Anerkennung der Männer bemüht. Doch bald werden Mutter und Tochter ihr langes blondes Haar (siehe Plakat) stutzen und der wahren Liebe folgen. Zunächst verlässt Betta Italien und ihren Verlobten für eine Frau und gibt ihr Studium zugunsten der Fotografie auf. Ihre Mutter Emma, die als gebürtige Russin noch immer fremd im eigenen Zuhause ist, traut sich nun langsam die Natur, die Leidenschaft und exquisite Küche zu genießen. Wenn Emma dem Freund ihres Sohnes immer näher kommt, wird mit Metapher nicht gespart und selbst die Sache mit den Bienchen und Blümchen sehr wörtlich genommen. Schön anzusehen ist dabei vor allem mal wieder Tildas grandiose Wandlungfähigkeit. Wortlos zeigt ihre Miene uns eine erstarrte Ehefrau, eine glühende Geliebte  – und das größtmögliche Unglück…

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Während Tilda das Herz des Films ist, sind die Frauen an ihrer Seite auch nicht zu übersehen. Alba Rohrwacher als kunstbegeisterte lesbische Tochter und Diane Fleri als Schwiegertochter in spe (beide waren schon in „Mein Bruder ist ein Einzelkind“ zu erleben) blicken mit großen schönen Augen in die Zukunft; Haushälterin Ida (Maria Paiato) und Großmutter Allegra (Marisa Berenson) steht dagegen das ganze Leid der Familie ins Gesicht geschrieben. Wer Alba Rohrbacher gern wiedersehen will, kann sich schon auf die Dreiecksgeschichte „Cosa voglio di piu“ freuen (deutscher Titel/Start noch unbekannt), in dem sie viel dunklen Kajal trägt und eine ausnehmend gute Figur macht (siehe unten). Und Tilda dürfen wir sicher bald wieder in Berlin begrüßen, schließlich war sie in den vergangenen 25 Jahren nicht selten hier!

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Am 28. Oktober startet „I Am Love“ in den deutschen Kinos.

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