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Plakatwerbung: Was will die MoPo uns damit sagen?

6. September 2010

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Das Springer-Blatt Berliner Morgenpost wirbt neuerdings mit Frauen. Und zwar mit „Randgruppen-Frauen“: unfreundlichen Kellnerinnen, Muslima und Lesben! Man könnte meinen, die konservative Tageszeitung will also ihre Zielgruppe neu definieren. Tatsächlich?! Schmückt sie sich nicht viel mehr vermeintlich mit dem coolen Image der Stadt?

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Ehe ich noch darüber grüble, wie „realistisch“ diese Stadtbilder sind, versuche ich mal die Slogans wörtlich zu nehmen. Muss die Kellnerin erst laut werden, ehe sie ein angemessenes Trinkgeld bekommt? Sind die Berliner Parks derart von muslimischen Großfamilien überbevölkert, dass man sie nur noch herablassend als kokelnden Massenauflauf betrachten kann? Und wie in aller Welt hat eine Familie eigentlich auszusehen – speziell im Berliner Mauerpark? Die oben abgebildete Personengruppe scheint laut MoPo ja eben nicht als Familie durchgehen zu können…

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Die ganze Aktion wird ergänzt durch den Aufruf  „Was ist für Sie Berlin?“ und scheint an die peinliche „Be Berlin“-Kampagne des Senats anzuknüpfen.

Nein, die MoPo lesen werde ich auch in Zukunft nicht.

5 Comments

  • Reply Dori 6. September 2010 at 22:29

    Ja, das „Familienplakat“ hab ich als erstes von der Kampagne entdeckt. Das ist echt nett und macht irgendwie gute Laune, auch wenn man besser nicht zu viel darüber nachdenken sollte, wie es gemeint ist. Die anderen Plakate sind hingegen eher peinlich… nicht nur die beiden, die hier noch erwähnt werden. Nein, es gibt echt noch Schlimmeres und dann merkt man wieder, dass es eben doch nur ne „Möchtegern-Morgenpost-Kampagne“ ist…

  • Reply Anne 7. September 2010 at 18:46

    Ich finde diese „…wenn eine Familie nicht aussehen muss wie eine Familie“- Sache echt übel…
    Die Aussage impliziert doch, dass das alte, traditionelle Familienbild eigentlich doch das einzig wahre ist… „Wir sind ja alle so tolerant, dass wir auch solche abtrünnigen Formen ok finden, obwohl sie keine richitge Familie sind…“
    Hm… Für mich ist das Ganze nach hinten losgegangen, auch wenn ich das Foto an sich schön finde.

  • Reply Anja 7. September 2010 at 18:51

    Ich finde das Plakat gar nicht so schlimm, bzw. verstehe ich das überhaupt nicht schlecht. Ist doch so, dass die meisten Leute die drei im Vordergrund gezeigten Personen nicht als Familie einordnen würden, rein aus Ungewohntheit. Der Spruch ist vermutlich etwas zu kurz geraten, aber ich erkenne da nichts bösartiges dran, im Gegenteil würde ich das Plakat eher als gut für uns und unsere Sichtbarkeit beurteilen. Wir brauchen die Sichtbarkeit und wenn sich eine größere Tageszeitung dieser annimmt, dann würde ich selbst das nicht kritisieren.

    Allerdings kenne ich die anderen Plakate auch nicht, die anderen zwei kann ich nicht so gut einordnen oder beurteilen.

  • Reply Charly 8. September 2010 at 14:39

    Zur Aktion gibt es auch noch ein Video auf Youtube.
    http://www.youtube.com/watch?v=K4-rNrlccsY

  • Reply traffixx 25. September 2010 at 12:31

    „Berlin ist, wenns härter gesagt als gemeint ist“ zugegebenermaßen mag ich den Spruch, da ich mir als gebürtige Berlinerin ja ständig anhören darf wie unfreundlich doch die Berliner im Allgemeinen so sind….

    Zum Rest, hmm, MoPo an sich ist für mich indiskutabel, über Werbung allgemein diskutieren emfinde ich als schwierig. Kommunikation findet extrem verkürzt statt und ist dadurch sehr anfällig für Interpretationen. Interessant würde ich eine Stellungnahme vom Verlag dazu finden und in diesem Zusammenhang könnte man dann die Aussagen die getätigt wurden und wie sie ankommen vielleicht diskutieren.

    Aber letztendlich, ein interessanter Versuch einer verstaubten Zeitung sich wieder aufzupolieren.

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