Politik

Embryos im Briefkasten

24. August 2010

Da denkt man an nichts Böses, trinkt seinen Kaffee und bekommt dann eine Mail einer Bekannten. Sie hatte gerade, wie immer die Post reingeholt und in ihrem Briefkasten einen Umschlag mit einem Plastikembryo darin gefunden.
Und ihr wurde, wie vermutlich einer ganzen Menge Menschen im Saarland heute, schlecht.

Der Verein Durchblick aus Baden-Würtemberg, laut eigener Aussage katholisch und grundsätzlich gegen Abtreibung, verschickt ab heute, komplett von Spenden finanziert, Plastik“modelle“, die einem 10 Wochen alten Embyro nachempfunden sind. Um mit Nachdruck gegen Abtreibung und dafür zu plädieren, dass das Embyro zu diesem Zeitpunkt ein vollwertiger Mensch ist.
Ich möchte mich hier nicht anmaßen darüber zu urteilen, wann ein Mensch ein Mensch ist. Das ist an dieser Stelle zu philosophisch. Auch die Tatsache, dass ich Pro-Choice bin, sei für einen Moment zur Seite gestellt.
Aber: Plastikembryos? Ernsthaft? Warum?! Das Erste was einem da doch durch den Kopf geht, ist „IIIIIH!“ und „Geschmacklos!“. Pro-Choice-ler stecken doch auch keinen Plastik-Plazenta in die Post und verschicken sie. Das ist genauso eklig und geschmacklos, hat jedoch mit der mit dem Akt der Geburt etwas zu tun. Genauso wie leider ein toter Embryo mit Abtreibung.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass selbst ein absoluter Abtreibungsgegner auch nicht begeistert ist, wenn er neben seiner Tageszeitung und der Stromrechnung, einen Plastikembryo aus dem Briefkasten fischt. Und abgesehen von denen, was ist mit den Frauen und auch Paaren? Denen, die keine Kinder bekommen können? Denen, die eines verloren haben? Oder vermutlich gerade abgetrieben haben?
Wie fühlen die sich, wenn sie soetwas aus einem Umschlag nehmen?
Schlimm genug, dass der Frau das Recht auf ihren Körper vom Staat abgesprochen wird, solche Aktionen, ohnehine völlig unnötig, sind nur Salz in der Wunde.

Die Aktion ist provokant, aber meiner Meinung nach unnötig und absolute Geldverschwendung. Die 63000 Euro an Spendengeldern, die für diesen Unsinn rausgeworfen werden, hätten besser in Beratungsstellen oder Aufklärungsarbeit investiert werden sollen. Oder meinetwegen auch Gratiskondome. Ich mag lesbisch sein, aber ich weiß, dass geschützter Sex vor Schwangerschaften und anderen Übeln schützt. Leider wissen viele junge, heterosexuelle Frauen das allerdings nicht.
Und man mag über Abtreibung denken, was man will, aber es ist sicherlich keine „Verhütungsmethode“ und nichts, was irgendeiner Frau leicht fällt. Und jedem sollte, denke ich, das Recht auf den eigenen Körper zugestanden werden.

Die Aktion wird wohl leider so schnell nicht abreißen, da diese hohe Spendensumme vermutlich für eine ganze Menge dieser geschmacklosen Dinger reichen wird.
Zumindest bei der CDU stößt die Aktion auf positive Resonanz.

„Eine Kampagne, die sich für das Leben ausspricht, ist zu begrüßen“, erklärt Hermann Scharf, sozialpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.“

Ohja, was für eine putzige Kampagne. Wer hat die nochmal gewählt?

Quelle

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