Wenn euch dieses Foto sehr vertraut vorkommt, seid ihr entweder Schwarzenbach-Fans (und hab das Kweens-Portrait gelesen) oder viel in Berlin unterwegs. Dort hängen seit Juni allerorts die Plakate zu der Ausstellung “Marianne Breslauer – Unbeachtete Momente – Fotografien 1929-36″. Als Eyecatcher haben die Kuratorinnen das wohl berühmteste Motiv der Fotografin gewählt, die in nur wenigen Jahren ein beeindruckendes Werk schuf, bevor sie sich als Schweizer Kunsthändlerin einen Namen machte.
Marianne Breslauer (1909-2001) entsprach ganz dem Bild der unabhängigen “Neuen Frau”, wie sie sie in vielen Aufnahmen festhielt. Neben berühmten Zeitgenossen – sie traf so legendäre Künstler wie Man Ray und Paul Citroen – zeigte sie das Leben ihrer Freundinnen. Zu den schönsten “unbeachteten Momenten” gehören die kleine Reihe eines Sommertages im Jahr 1934 und Straßenszenen, die Breslauers Reisen dokumentieren.
In einer Zeit, als Fotografieren noch als rein dokumentarische Technik verstanden wurde, konnten Frauen neue künstlerische Wege gehen. Nach einer Ausbildung beim Berliner Lette-Verein war Breslauer inspiriert von Frieda Ries eine der ersten, die Fotografie als eigenständige Kunstform in die Galerien bringen wollten. In den frühen Dreißiger Jahren stellte sie im Fotoatelier Ullstein aus und veröffentlichte in renomierten Zeitschriften. Auf ihren Reisen besuchte sie mal ihre Freundin Djemila Nord in Palästina, mal war sie mit Ruth Landshoff oder Annemarie Schwarzenbach unterwegs. Als sich die gesellschaftlichen Verhältnisse änderten, kehrte Breslauer 1936 Deutschland und der Fotografie den Rücken.
In der ersten großen Breslauer-Retrospektive mit etwa 130 Fotografien werden zudem andere Fotografinnen ihrer Zeit mit sehr unterschiedlichen Arbeiten vorgestellt, darunter Yva, Steffi Brandl, Lotte Jacobi und Marta Astfalck-Vietz.
Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie wurde jetzt verlängert bis zum 1. November!
Also aufbrezeln und hingehen!
alle Fotos (c) Fotostiftung Schweiz, Winterthur














