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Magazines to discover #1 Hugs and Kisses

16. August 2010

Wer gern unterhaltsame Magazine liest, sich aber ungern von angepasster Massenware verdummen lässt und noch dazu einen feministischen Anspruch oder zumindest weibliche Präsenz erwartet, hat im Presseshop nicht viel Auswahl. (Mainstream-Lesbenmedien spare ich hier aus, sie sind ohnehin sehr rar gesät.) Gelegentlich stößt man auf einige amerikanische Zeitschriften wie Nylon, die „Frauenthemen“ mit Selbstbewusstsein und Popkultur verbinden. Solche unabhängigen Publikationen wie Bust, VenusZine und Co. sind aus der GrrrlZine-Kultur der 90er hervorgegangen und optisch auf das Niveau bekannter Mode- oder Musik-Magazine gestiegen. Dieses Konzept wurde hierzulande vor zweieinhalb Jahren hochlobenswert und erfolgreich vom Missy Magazine übernommen.

Abseits dieser Nischen lassen sich mit etwas Geduld weitere Perlen der Magazin-Kultur entdecken. Man bezeichnet sie als Zines oder als „independent pop culture magazines“ und erhält sie in ausgewählten Geschäften oder Veranstaltungsorten. Indem ich mir langsam den Weg durch das Land der abseitigen Printprodukte bahne, möchte ich an dieser Stelle regelmäßig neue Funde, Wiederentdecktes und Hervorhebenswertes präsentieren. Bevorzugt sollen Hefte mit lesbischen/queeren/feministischen/kritischen/künstlerischen Inhalten präsentiert werden.

Den Anfang macht ein deutschsprachiges Magazin aus Hamburg:

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Diese erste Ausgabe von Hugs and Kisses erschien im Oktober 2007, bisher folgten – halbjährlich – fünf weitere. Der schöne Untertitel „tender to all gender“ ist nicht nur ein Wortspiel, sondern verweist auf das Anliegen, hier ein im Wortsinn queeres Magazin vorzugelegen. Man distanziert sich von Labels und Geschlechternormen ebenso wie vom modischen Gebrauch des Wortes „queer“, wo oft eher schwul und/oder lesbisch stehen müsste. Dieser Ansatz spiegelt sich in den Portraits, Interviews, Reflexionen  und Rezensionen wider. Neben dem jeweiligen Schwerpunkt gibt es Artikel zu gesellschaftspolitischen und kulturellen Themen – von Pop über Party bis zu Postporn und politischer Theorie. Das Vereinende der Texte ist die radikale Offenheit für Lebensentwürfe aller Art, was Selbstkritik einschließt. Gleichzeitig sind Illustrationen und Fotostrecken ein fester Bestandteil der Hefte – hier Beispiele aus Issue 2  zum Thema Queer Burlesque:

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photos by Emily Jouvet

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Nach einer Queer Cinema-Ausgabe ist die aktuelle Nummer 6 mit dem Schwerpunkt Queere Feminitiäten hier für 4 Euro erhältlich. Diesmal werden Tunten, Femmes, weibliche Drag Queens u.a. portraitiert und Klischees innerhalb der Szene hinterfragt. Dazu gibt es Fotos aus dem Buch Femmes of Power des „gender variant visual artist“ Del LaGrace Volcano. Absolut empfehlenswert sind auch der Artikel über die Berliner Aktivismus-Gruppe „Fight Lookism“ und das Gespräch zwischen Cindy Wonderful (Scream Club) und God-des and She über lesbischen Hip Hop. Das Reinblättern lohnt sich! Und im Oktober kommt schon das nächste Hugs and Kisses.

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Blick in die 3.Ausgabe

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