Bücher Queer Life

Memories of an American Dyke – Drei autobiografische Romane

1. August 2010

Zu den Klassiker der lesbischen Literatur zählen nicht wenige autobiographisch inspirierte Romane – man denke nur an Rita May Browns „Ruby fruit Jungle“ oder vielleicht an „Salz und sein Preis“ von Highsmith und ganz klar an „Stone Butch Blues“. In der Tradition unserer Sommerlektüretipps empfehle ich an dieser Stelle drei strand- wie regenwettertaugliche Memoiren ganz unterschiedlicher Amerikanerinnen.

Eileen Myles: Cool for you (2000)

 

Auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin 2005 erlebte ich im Schwarzen Café den Auftritt einer Dichterin – Literaturprofessorin, grauhaarig, 55 und unglaublich cool.
Der Sound ihrer Gedichte ist auch im auf Erinnerungen basierenden „Cool For You“ zu finden. Der Roman beschreibt ebenso ehrlich wie fesselnd den Ausbruch eines toughen Mädchens, das Bostoner Arbeiterschicht und Katholische Schule gegen New York und ein freies Leben für die Poesie tauscht. In einer Folge von Ups und Downs, schlechten Jobs und Unsicherheiten liest sich Myles Leben, als wär man direkt dabei und hätte dennoch Spaß.
(Wem der Name der in Deutschland unveröffentlichten Autorin bekannt vorkommen sollte, höre sich nochmal „Hot Topic“ von Le Tigre bis zum Ende an.)

Audre Lorde: Zami. A New Spelling of My Name – A Biomythography (1982)
(deutsch: Zami. Ein Leben unter Frauen)


Ebenfalls Gedichte schrieb Audre Lorde, die sich selbst als „a black lesbian feminist mother poet warrior“ etikettierte. Jahrzehntelang engagierte sich Lorde u.a. in vieldiskutierten Essays gegen Rassismus, Misogynie und Homophobie, bis sie 1992 an Krebs starb. Zuvor verarbeitete Lorde die spannende Geschichte ihres Lebens in einem poetischen Text voller mythologischer und historischer Bezüge. „Zami“ (ein karibisches Wort für die Freundschaft und Liebe zwischen Frauen) erzählt von der Kindheit in Harlem, ersten erotischen Erlebnissen und dem Weg zu einer selbstbewussten Identität. Nebenbei vermittelt der Roman ein lebendiges Bild der New Yorker Subkultur der 50er Jahre. Definitiv ein Buch zum Wiederlesen.

Alison Bechdel: Fun Home: A Family Tragicomic (Graphic Novel, 2006)
(deutsch: Fun Home: Eine Familie von Gezeichneten)

Derweil ich mich durch den Sammelband „The Essential DYKES TO WATCH OUT FOR“ lese, darf hier die erstklassige graphische Autobiographie von Alison Bechdel nicht fehlen. Die Kult-Comic-Reihe ist seit über 20 Jahre erfolgreich und hat eine nützliche Film-Faustregel hervorgebracht:

Mit „Fun Home“ hat Bechdel sich nun als ernstzunehmende Schriftstellerin erprobt – und viel Lob seitens der Kritik erhalten (was nicht zuletzt wohl den reichlichen Referenzen an die große Literatur zu verdanken ist). In zart kolorierten Bildern wird hier eine melancholische, witzige, kluge Coming-of-Age-Geschichte erzählt und vor allem von einem ambivalenten Vater-Tochter-Verhältnis.

Nach dem Tod des Vaters versöhnt sich die Tochter rückblickend mit ihm, ihrer Kindheit, ihrem eigenen Leben. Nach diesem mitreißenden Meisterwerk wird niemand mehr behaupten, Graphic Novels seien keine „richtige Literatur“.

Apropos Memoiren: Wie Patti Smith über ihr Leben mit Robert Mapplethorpe und das New York um 1970 berichtet, erhebt „Just Kids“ zu einer der besten Buch-Veröffentlichungen des Jahres! Poetinnen (und Zeichnerinnen) schreiben eben die besten Romane 😉

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