Queer Life

Let Constance Take Her Girlfriend to Prom

24. März 2010

Erinnert ihr euch an euren Abschlussball?
Ich tue es.
Ich habe mir nie vorher darüber Gedanken gemacht. Der Abschlussball oder der Abiball, war einfach der krönende Abschluss, einer für mich endlos empfundenden Leidensperiode und noch dazu vollkommen unnötig.
Doch trotzdem hatte ich zu kämpfen. Ich bin seit ich 15 bin geoutet und habe nie einen Hehl aus meiner Sexualität gemacht.
Als der Abschlussball vor der Tür stand waren für mich drei Dinge klar:
1. meine Patchworkfamilie hatte dabei zu sein und genauso respektiert zu werden, wie die heile Welt Kleinstadtfamilien
2. Ich würde definitiv keinen Walzer tanzen
3. Ich würde im Anzug erscheinen.

Nur einen dieser Vorsätze brach ich, denn ich tanzte Walzer. Mit einem Mädchen. Einem der Mädchen, die keinen „Mann“ aus meinem Jahrgang zum Tanzen zugewiesen bekommen hatten, da es einfach zu wenig von ihnen gab. Und trotz der Minderheit der männlichen Fraktion, war das Abiballkommitee, welches nebenbei bemerkt nur aus weiblichen Schüler bestand, damals strikt: Männer und Frauen hatten zusammen zu tanzen, alles andere stand außer Frage.
Warum ich dann trotzdem mit einem Mädchen getanzt habe? Lasst es mich in Form eines Dialoges darstellen:

„Charly, du kommst doch sicherlich im Anzug zum Abiball?“
„Ja, warum?“
„Dann kannst du dir aus dieser Liste jetzt frei ein Mädchen aussuchen, mit dem du tanzen möchtest beim Abiball.“
„Und was ist mit denen, die übrig bleiben?“
„Die haben sich selbst etwas zu suchen, zur Not tanzt eben ihr Vater mit Ihnen.“

Und wenig später wurde ich nach und nach von den Mädchen, die auf dieser Liste vermerkt waren, angesprochen. Ich nahm die, mit der ich vor einigen Jahren gut befreundet war.
Warum ich euch diese Episode erzähle?
Constance McMillen.

Vielen wird vielleicht die Facebookgruppe zu dem Thema aufgefallen sein oder ihr Auftritt bei Ellen am letzten Freitag.
Und wenn man Constance so zuhört, kann ich dankbar dafür sein, dass man mich mit einem Anzug überhaupt bei meinen Abiveranstaltungen hereingelassen hat.
Constance Millen ist ein 18-jähriges Mädchen aus Mississippi, dass seine Freundin als Promdate mitnehmen und darüber hinaus einen Anzug anziehen wollte – weil sie sich darin wohler fühlte.
Es wurde ihr verweigert und ihr Abschlussball schließlich für den gesamten Jahrgang abgesagt.
Aber seht selbst, was sie bei Ellen zu sagen hat:

Man könnte jetzt argumentieren, dass es eben „Mississippi“ ist, aber es ist auch eine kleine Stadt in Norddeutschland gewesen, in der weibliche Schüler selbst, jungen Frauen vorgeschrieben haben, nur mit Männern oder nur mit jemand entfernt dem ähnelnden, wie einer Frau in „Männerkleidung“, zu tanzen.

Und ich bin mir sicher, dass wir noch mehrere Fälle finden, in denen soetwas Haarsträubendes passiert ist oder passiert, in denen nach außen Liberalismus gepredigt und in Wirklichkeit das tiefste Mittelalter gelebt wird.
Lasst uns Constance McMillen die Daumen drücken, dass sie doch noch das bekommt, was sie, so seltsam es ausgeschrieben auch klingen mag, eigentlich nur wollte:
Ein Date mit ihrer Freundin zu ihrem Abschlussball, in dem Outfit, welches ihr vorschwebt.

Die Facebook-Site zum Thema

1 Kommentar

  • Reply Anja 24. März 2010 at 22:51

    Vom Richter hat sie jetzt schon mal Recht bekommen 🙂
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,685524,00.html

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