Queer Life Webserien-Review

Interview mit den Frauen von Seeking Simone

19. Juli 2009

Das hier ist eine Übersetzung eines Interviews mit den beiden Macherinnen von Seeking Simone, geführt vom englischsprachigen Online-Magazin www.cherrygrrl.com.

Seeking Simone ist eine ganz neue lesbische TV-Serie über Online-Dating. Hauptperson der Show ist Simone Selkin, die sich einmal quer durch die Toronto dated. Simone ist Single, aber noch nicht wirklich bereit dazu, sich wieder auf den Markt zu begeben. Sie ist gerade erst nach Toronto gezogen, wartet auf ihren großen Durchbruch mit „CSIS:FOrensicSWAT“ und ist zudem noch dabei, sich von ihrer letzten Trennung zu erholen. Simones beste Freundin Audrey drängt sie dazu Online-Dating auszprobieren. Das Ergebnis ist sehr witzig, macht Spaß und ein bisschen abhängig und ist einfach hochwertiges lesbisches Entertainment. Schnell ist die Show zu einer der Lieblingssendungen in der lesbischen Gemeinschaft geworden. Die Macherinnen sind Renée Olbert (sie spielt Simone) und Rosemary Rowe (sie schreibt das Skript der Show). Um noch mehr über die Sendung zu erfahren, hat sich Cherry Grrl kürzlich mit den beiden talentierten und witzigen Macherinnen getroffen.

Cherry Grrl (CG): Wann und warum habt ihr euch dazu entschieden, diese Show zu machen?
Renée Olbert (RO): Um diese Frage zu beantworten, müssen wir sehr weit zurückgreifen. Rosemary und ich sind seit sehr sehr langer Zeit miteinander befreundet und von Anfang an haben wir immer darüber GEREDET, zusammen „etwas zu machen“. Auf diese Art hat sich Seeking Simone schon seit Jahren angeschlichen … Vor etwa einem Jahr haben wir dann entschieden aufzuhören darüber zu REDEN und anzufangen es zu MACHEN. Felicia Day und ihre Serie The Guild hat uns auch sehr inspiriert. Felicia’s Erfolg hat uns gezeigt, dass man online eine Serie mit Drehbuch machen kann und Leute es sich ansehen. Ich glaube sie hat den Maßstab gesetzt, was Online-Macher erreichen können und sie ist zudem ein großer Champion dieses Mediums.
Rosemary Rowe (RR): Ja! Was Renée gesagt hat! Ich glaube es läuft darauf hinaus, dass wir eine Show machen wollten, die wir uns selber ansehen würden. Und wir wollten nicht rumsitzen und darauf warten, dass jemand uns eine Erlaubnis oder Zusage gibt oder – haha – uns finanziell unterstützt.

Simone (Renée Olbert)

CG: Was inspiriert euch so sehr am Thema Online-Dating, dass ihr so viel Material für eine Sendung wie diese zusammenkriegt?
RR: Naja, die Suche nach Liebe bietet zahllose Möglichkeiten für Komödie und Leid – oft gleichzeitig! Aber ich glaube Online-Dating im Speziellen häuft noch eine Extra-Schicht auf den leckeren Liebes-Kuchen. Online-Dating kann Beziehungen künstlich beschleunigen – was wiederum ein paar wirklich heftige Situationen hervorrufen kann. Auf eine Art ist es einfacher, jemanden online kennen zu lernen, weil man die Grundfragen einfach überspringen kann (Ist sie auch lesbisch? Ist sie Single? Wird sie deinen Joss Whedon Schrein nachmachen?). Aber auf der anderen Seite ist es auch beängstigender. Du gibst – öffentlich – zu, dass du auf der Suche nach Liebe bist und wenn du jemanden kennen lernst, kann es sehr viel Druck geben, ob diese Person jemand sein kann, mit dem du dich auf längere Zeit zusammen siehst. Es bringt einen in eine verletzliche Situation. Und das ist ziemlich lustig zu beobachten.

CG: Habt ihr beide persönlich positive Erfahrungen mit Online-Dating gemacht?
RO: Haha… Nein. Ich glaube diese Frage sollte besser Rosemary beantworten. Sie hat eine herrliche und rührende Geschichte über die Freuden des Online-Dating zu erzählen! Rosemary, ich überreiche dir das Mikrofon.
RR: Danke Renée. Ja, ich habe persönliche Erfahrungen mit Online-Dating – wie Audrey habe ich meine Frau Kate online kennen gelernt. Wir haben ein paar Wochen lang eine sehr romantische E-Mail-Korrespondenz geführt, weil wir beide zu beschäftigt waren um uns mal zu treffen. Dann eines Sonntags hatten wir ein Date. Zwei Tage später tauchte ich in ihrer Wohnung auf und bin NIE WIEDER GEGANGEN. Wir haben den Umzugswagen-Traum gelebt! Und ich schäme mich nicht dafür!

Audrey (Anna Chatterton)

CG: Glaubt ihr, dass Lesben öfter online daten als in der Heterogemeinschaft und wenn ja, warum?
RR: Das ist eine gute Frage. In meiner eigenen, völlig unwissenschaftlichen Erfahrung ist es zwischen meinen homosexuellen und heterosexuellen Freunden ziemlich genau aufgeteilt. In meiner persönlichen Erfahrung ist die Trennung eher zwischen Geeks und Nicht-Geeks als zwischen sexuellen Präferenzen.
Wenn man viel Zeit online verbringt und daran gewöhnt ist, Freundschaften mit Leuten zu bilden, die man vielleicht nie trifft, dann ist die Vorstellung, seinen Seelenverwandten online zu finden nicht komisch. Das soll nicht heißen, dass nur Computerfreaks online Liebe finden können. Aber Leute, die mehr Zeit online verbringen, stehen dem offener gegenüber.

CG: Wie würdet ihr Simone beschreiben, wie sie am Anfang der Show ist?
RO: Wenn wir Simone zum ersten Mal sehen, sehen wir eine Frau die gerade einen neuen Lebensabschnitt beginnt. Sie lebt in einer neuen Stadt, hat einen neuen Job – wirklich ein komplett neues Leben. Und ich glaube sie ist absolut aufgeregt und freut sich auf die neuen Chancen, die ihr dieser Neubeginn bietet. Aber gleichzeitig ist sie sehr einsam und fühlt sich sehr verletzlich. Sie kennt noch nicht viele Leute und vermisst viel von ihrem alten Leben.

Rebecca (Zoie Palmer)

CG: Was bringt sie dazu, Online-Dating auszuprobieren?
RO: Das ständige und unaufhörliche Genörgel ihrer besten Freundin Audrey. Aber auch, obwohl Simone sehr widerwillig scheint, weil ein großer Teil von ihr doch endlich wieder jemanden finden möchte. Ich glaube, sie hat genug vom Alleinsein, auch wenn sie das nicht zugeben möchte. Und ich glaube, dass das ein Gefühl ist, mit dem sich sehr viele Leute identifizieren können. Sich neuen Erfahrungen zu öffnen kann sehr schwer sein, wenn man so eingefahren ist. Simone ist zwar frustriert von Audrey’s Einmischen, gleichzeitig ist sie aber dankbar, eine Freundin zu haben, die sie dazu drängt, etwas Neues auszuprobieren.

CG: Simones erstes Date kommt in Folge 2 und wird ein riesiger Reinfall. Am Anfang schien es noch gut zu laufen – was hat sie eurer Meinung nach falsch gemacht?
RO: Wodka. Aber neben dieser offensichtlich sehr sehr schlechten Wahl, viel zu viel zu trinken, glaube ich, dass sie tief im Innern sehr nervös ist. Sie möchte einen guten Eindruck machen und versucht das zu sehr. Also meine Damen, die Lehre der zweiten Folge ist „Don’t drink and date“! Lasst mich das umformulieren: „Don’t drink TOO much and date“!

CG: “Emotionale Filzläuse” ist brilliant. Wem ist das eingefallen?
RR: Ich hatte gehofft, Renée würde diese Frage beantworten, damit es nicht wieder so aussieht als würde ich mich selbst beweihräuchern. Ach was soll’s, ich war’s. Wenn ich Leute nicht mag, werfe ich ihnen immer vor, dass sie Filzläuse haben, weil ich das lustig finde. Aber jemandem vorzuwerfen, dir emotionale Filzläuse gegeben zu haben – das ist wirklich lesbisches Trennungs-GOLD.

Elisa (Michelle Girouard)

CG: Elisa wirkt als wäre sie die verständnisvollste und geduldigste Frau der Welt. Werden wir sie wiedersehen?
RO: Wenn ich dir das verraten würde, müsste ich dich umbringen! Aber je nachdem wie viele Mai Tais Rosemary heute schon hatte, bekommst du vielleicht eine bessere Antwort von ihr (Aber das hast du nicht von mir!)
RR: Ja, oder? Elisa ist ziemlich toll. Aber ich bin nicht betrunken genug, um noch mehr zu enthüllen. Aber guter Versuch.

CG: Bisher kann man sich zwei Folgen ansehen. Was habt ihr bisher für Feedback bekommen?
RR: Bisher sehr positives, sowohl von der Homo-Community als auch von diesen verrückten Heten. Wir haben offensichtlich darauf gehofft, dass die lesbische Gemeinschaft die Show toll finden würde. Ich glaube es ist ein menschliches Grundbedürfnis, Geschichten über sich und Gleichgesinnte zu haben – und wir Lesben kriegen einfach nicht genug zu sehen über uns! Es war wirkich toll so positives Feedback direkt von unseren Zuschauern zu bekommen, dass sie gelacht haben und sich selbst in Simone oder Audrey wiederfinden können (Oder AUF Simone oder Audrey – einige unserer Zuschauer sind wirklich versaute Mädchen).
Eines der coolsten und unerwartesten Dinge bisher war, dass die Show in andere Sprachen übersetzt wurde – Paola von Lesbicanarias (http://lesbicanarias.es/) in Spanien und Anja von Kweens (http://www.kweens.de/) in Deutschland haben Untertitel für die Folgen auf Spanisch und Deutsch geschrieben und damit die Show für viel mehr Zuschauer über unseren YouTube Channel zugänglich gemacht. Ihre Unterstützung und Großzügigkeit hat uns wirklich umgehauen!

CG: Könnt ihr uns schon etwas über die nächsten Folgen erzählen?
RR: Es wird etwas Girl on Girl Action geben. Es wird Donuts geben. Und eine musikalische Performance, die euch UMHAUEN wird.

CG: Was ist für euch bisher das Beste an dieser Show?
RO: Diese Frage finde ich schwer zu beantworten, weil es das kreativ erfüllendste Projekt ist, an dem ich je gearbeitet habe. Es ist unglaublich befriedigend die Sendung von der Gemeinschaft so gut aufgenommen zu sehen. Wie bei allen künstlerischen Unternehmungen kreierst du etwas, hältst den Atem an und hoffst, dass die Leute es mögen. Ich freue mich riesig, dass die Leute mögen was sie bisher gesehen haben und hoffe, dass alle weiter mit uns lachen.
RR: Anna Chatterton’s Dekolleté (Anmerkung: Anna Chatterton ist Simones beste Freundin Audrey). Und was Renée gesagt hat.

Mehr über Seeking Simone gibt’s auf http://www.seekingsimone.com.

Twitter:
http://twitter.com/reneeolbert
http://twitter.com/rosemaryrowe
http://twitter.com/seekingsimone

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