Neulich las ich im aktuellen Missy Magazine in der Rubrik „vor uns“ einen wunderbaren Artikel über die Tänzerin und Schauspielerin Anita Berber. Ich bin ohnehin ein Fan der legendären Zwanziger Jahren mit allen ihren flüchtigen Freiheiten und widersprüchlichen Persönlichkeiten. Umso faszinierender ist die Geschichte der Berber: Sie gilt als erste deutsche Nackttänzerin, Star der frühen Aufklärungsfilme und Ikone der lesbischen Subkultur im Berlin der frühen Weimarer Republik. Von Drogen und Alkohol gezeichnet starb sie mit nur 29 Jahren an TBC.

Leo Lania: „Als Anita am Kurfürstendamm aus dem Auto stieg – Zobelpelz, Monokel im grell bemalten Gesicht unter rotem Haarschopf – blieben Passanten stehen, Huren liefen herbei, bildeten ehrfürchtig eine Gasse, durch die Anita ins Lokal stürmte.“
Otz Tollen: „Sie wollen doch einen älteren Mann?“ – „Nun ja, mein Gott, aber eine junge Frau wäre mir lieber!“
Zu sehen ist die Schauspielerin unter anderem im allerersten Homosexuellen-Film „Anders als die Andern“, in Fritz Langs berühmtem „Dr. Mabuse“ und in „Der Schädel der Pharaonentocher“:
Berbers typische Kinorollen waren die Tänzerin, das gefallene Mädchen oder die Dirne und auf der Bühne gab sie eine Skandalshow nach der anderen.
Leni Riefenstahl (!): „Ihr Körper war so vollkommen, dass ihre Nacktheit nie obszön wirkte.“
Nein, das ist nicht Anita Berber, sondern ihr schwuler zweiter Ehemann Sebastian Droste. Zusammen tourten sie mit den Tanzprogrammen „Morphium“, „Cocain“, „Peitschentanz“ usw. Hier eine Szene aus “Tänze des Lasters, des Grauens und der Ekstase”:

Klaus Mann: „Ich wurde mit dem Schicksal dieser rabiaten Frau und ihres sanfteren Gefährten [Berbers dritten Mann Henri] vertrauter. Sie stand, von ihrer Legende umwoben, inmitten einer grauenhaften Einsamkeit…Sie brauchte nicht nur den moralischen Skandal, sondern auch die körperliche Gefahr.“
Der Künstlerin Charlotte Berend stand Anita Berber für einige Lithographien Modell:

Schließlich setzte Otto Dix der Diva ein Denkmal ganz in Rot:

Als Bonus gibt’s noch ein etwas reißerisches Mini-Portrait:
Moment mal, war da nicht Peaches’ „Boys wanna be her“ zu hören?! ![]()
Die Zitate stammen aus Lothar Fischers Buch „Tanz zwischen Rausch und Tod. Anita Berber 1918 – 1928 in Berlin“. Die meisten Bilder sind von societyofcontrol.com.










