Bücher Queer Life

Phantastisch erotische Geschichten

11. Juni 2009

Wenn bald die lauen Sommernächte bevorstehen, bekommt ihr vielleicht auch Lust auf etwas sinnliche Lektüre. Aber wozu sich erst mühselig durch lange Liebesromane oder gar Krimis lesen in Erwartung dieser einen Szene – lieber gleich zu Erzählungen greifen, die direkter zum Thema kommen. In den einschlägigen Anthologien aus den Reihen Bisse und Küsse (Querverlag) und Mein lesbisches Auge (Konkursbuchverlag) ist die Ausbeute nicht immer so hoch wie das Cover verspricht. Darum hier meine Empfehlungen von hart bis niedlich:

Pat Califia: Frauen und andere Raubtiere (Querverlag)

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Ganz frisch übersetzt und damit erstmalig auf Deutsch gibt es jetzt eine kleine Auswahl recht heftiger Erzählungen von Pat(rick) Califia, einst Pionierin des sexpositiven Feminismus, inzwischen Transmann und Familientherapeut. In unterschiedlichsten S/M-Szenerien finden sich hier Butches und Femmes, Androiden, Vampire und Rotkäppchen als Werwolf. Das alles ist mal futuristisch, mal im historischen Gewand und stets Tabus überschreitend, aber mit einiger Gesellschaftskritik und gelegentlicher (unfreiwilliger?) Komik gewürzt. Am Schluss jeder Geschichte stehen ein lesbisches Happy End und Sätze wie dieser: „Machen Sie ja nicht den Fehler zu glauben, dass ein Wolf gefährlicher ist als eine Frau.“

Anaïs Nin: Delta der Venus

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Wer’s klassischer mag, greife mal zu Anaïs Nin. Neben ihren Tagebüchern ist besonders Delta der Venus seit der posthumen Veröffentlichung zu Recht im Kanon der erotischen Literatur. Auch wenn sie diese multisexuellen Geschichten in den frühen 1940ern als Auftragsarbeit schrieb, waren sie bahnbrechend für die weibliche Sicht auf Sex. Nin schreibt in einer sehr direkten originellen Sprache. Dabei haben ihre Erzählungen nur eine sehr reduzierte Handlung, denn sie hatte die Anweisung, weitestgehend auf Beschreibungen und Poetisches zu verzichten. Was ihr Kreativität erst richtig beflügelte: „Ich fing deshalb an, mit heimlicher Ironie zu schreiben, exotisch, erfindungsreich zu werden und derart zu übertreiben, dass ich glaubte, [der Klient] müsse bemerken, dass ich Sexualität karikierte. Doch ein Protest erfolgte nicht.“

Kein Wunder bei ihren einfallsreichen Phantasien!

Colleen Coover: Small Favors. Girly Sex Comic (Konkursbuch Verlag)

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Wie der Titel schon sagt, geht es hier um Mädchen und ihre „kleinen Freuden“. Annie masturbiert den lieben langen Tag und bekommt deshalb von der Königin des schlechten Gewissens eine Wächterin an die Seite gestellt. Die elfenhafte Nibbel hat aber selbst nur Sex im Kopf und so haben die beiden viel Spaß miteinander, was in kleinen Episoden sehr phantasievoll erzählt und detailliert gezeichnet ist (Lasst euch vom diskreten Cover nicht täuschen!). Die bisexuelle Autorin empfiehlt ihren Porno-Comic „LeserInnen aller Geschlechter und Geschmäcker“ – und eine Fortsetzung gibt es auch.

1 Kommentar

  • Reply Eros 17. Januar 2011 at 14:49

    Also so spontan wäre mir der Vergleich zwischen Wolf und Frau nicht eingefallen … aber wenn man mal drüber nachdenkt … 😉

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