Queer Life

The Countess

11. Februar 2009

„Und was ist eure Schwäche, Gräfin?“
„Ich bin eine Frau, ich mag hübsche Gewänder, teuren Schmuck…so wie ihr Kardinal.“

Das wäre jetzt der Moment für einen dieser „I kissed a Girl“-Witze, aber ich weiß ja nicht, ob es Julie Delpy gefallen hat, in den ersten paar Szenen ihres neues Filmes „The Countess“ kurz ihre Vertraute zu küssen.
Ich komme gerade von der Berlinale, wo ich mir den besagten Film angesehen und erst zu spät bemerkt habe, dass er ab 18 ist. DAS hat man davon, wenn man sich von schönen Frauen ins Kino locken lässt.
Fakt ist nur, dass sie es tut und später sogar noch etliche Male angedeutet wird, dass die beiden des öfteren das Bett teilen. Der FSK 18 beruht aber mehr auf Blut als auf heißen lesbischen Bettszenen.
Eigentlich ist diese Nebenstory ganz niedlich. Ihre Hofhexe Davulia ist eindeutig verliebt, lässt sich nicht mit Geld, sondern mit Nächten auszahlen („Es ist nicht Geld, was mich an euch bindet“) und selbst, als die Gute vom Schloß geschickt wird, kommt diese immer noch nachts um „über sie zu wachen“, wie sie dem Liebhaber von Bathory erzählt, der sie nachts auf dem Gang erwischt.
Typisch lesbisch also sich damit auch noch zu quälen und vor der Tür mit anzuhören, wie die große Liebe gerade ihren Typen mit einem Gürtel prügelt.
Aber wenn eine Liebe hunderte von Jungfrauenmorden übersteht, übersteht sie auch das, schätze ich. Ich zieh es jedoch vor nicht in den Genuss so einer Liebe zu kommen.

Der Film handelt von der (wahren) Geschichte der Gräfin Bathory, die irgendwann so dem Jugendwahn verfällt, dass sie Jungsfrauen ausbluten lässt um in deren Blut zu baden. Später, als die Jungfrauen dann rar wurden, mussten selbst Kinder dran glauben.
Davulia sagt der Angebeteten zwar, dass sie nach Tod rieche, schreibt ihr auf dem Totenbett jedoch noch einen Abschiedsbrief in dem steht, dass sie all ihre sanften Küsse und ihre Liebe mit ins Grab nehmen wird.
Da sieht man in dem so perfekt gespielten, ausdruckslosen Gesicht der Bathory auch wieder kurz ein Spur Rührung, bevor sie sich wieder ihrer alternativen Schönheitskur zuwendet.

Julie Delpy in einer ihrer Traumrollen: Erzebet Bathory
(imdb.com)

Nicht für jeden etwas, dieser Film, vor allem nicht für Menschen mit schwachem Magen.
Aber schön ist er trotzdem …auf eine sehr düstere und blutige Art und Weise.

Der Film wird vorraussichtlich noch dieses Jahr in die Kinos kommen und wer von euch plant das ganze wegen der Lesbenstory anzusehen, dem sei abgeraten.
Wer allerdings ein Fan von blutigen Filmen mit guter Besetzung (größtenteils deutsch z.B. Daniel Brühl als Liebhaber) ist, dem empfehle ich den Weg ins Kino.

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