Bücher Queer Life

Lesbische Strandlektüre – Charlys persönliche Top 5

1. Juli 2008

Asche auf mein Haupt, es gab keinen Lovely Saturday.
Aber ich habe eine gute Entschuldigung: CSD!
Okay,ist vielleicht jetzt nicht DIE Entschuldigung schlechthin, aber ich war einfach im Stress.
und der CSD recht verregnet – mal wieder!
In der Hoffnung, dass sich das Wetter hält, habe ich aber für euch eine kleine Top 5 an lesbischer Strandlektüre zusammengestellt.

Wenn es zu Strandlektüre kommt, bin ich wie jede andere auch:
Ich möchte etwas Leichtes, Fröhliches in der Hand haben, das mich zum Lachen bringt und das am besten noch Identifikationspotential in einem der Charaktere mitbringt.
Nichts ist schlimmer als mit einem deprimierenden Buch am Strand zu liegen und dem Drang zu widerstehen die Gala vom Handtuch nebenan zu klauen.
Allerdings ist es meiner Meinung nach nicht ganz so einfach, ein schönes Strandbuch mit lesbischer Thematik zu finden. Vieles in diesen Büchern ist so traurig und dramatisch, tiefsinnig und schwermütig, dass es einen mehr deprimiert als fröhlich stimmt.
So oft wird in diesen Büchern gestorben, gemordet, getrauert.
Und wenn nicht, ist die Gefahr groß an Bücher wie die von Miriam Müntefering zu geraten, die zum größten Teil für eine Leserin über 17 mehr Zumutung als Unterhaltung sind.
Ein paar Bücher haben es allerdings doch in eine Top 5 geschafft.

Hot Topic – (Hrsg.) Sonja Eismann

Hot Topic ist zwar kein Roman, dafür aber eine hervorragende Essaysammlung, die einen zum Lachen und Nachdenken bringen. Das Buch ist definitiv Pflichtlektüre für jede Frau.
Und was spricht dagegen sich im Strandkorb von ein paar witzigen, feministischen und teilweise auch lesbischen Frauen die Augen öffnen zu lassen?
Ganz genau: nichts!

Julia und Satine – Daniela Schenk

Die zweifache Mutter Julia, lernt im Urlaub die lesbische Fotografin Satine kennen und beide verlieben sich ineinander. Nur mit dem feinen Unterschied, dass Satine ganz genau merkt, dass sie verliebt ist, Julia allerdings nichts. Beide verbringen einen schönen Urlaub, brechen den Kontakt dann jedoch vollkommen ab.
Klar, dass sie sich irgendwann durch Zufall wieder treffen…
Dieses Buch fällt definitiv in die Kategorie „Standlektüre“. Ich habe das Buch damals an einem Tag (am Strand) durchgelesen und fühlte mich sehr entspannt, als ich damit fertig war.
Es ist leicht und flüssig geschrieben und hat mich das ein oder andere Mal (meistens aufgrund äußerst unterhaltsamen Kinder) zum Lachen gebracht.

Berlin am Meer – Sarah Mondegrin

Ganz im Gegenteil zum gleichnamigen Film, mit dem dieses Buch gar nichts zu tun hat, kommt Sarah Mondegrins Roman ganz ohne Anfang 20jährige und Partys aus, lässt es jedoch an Berlin nicht mangeln.
Auch in diesem Roman, treffen sich zwei Frauen im Urlaub zufällig und verlieben sich ineinander. Und auch hier bricht der Kontakt zwischen den beiden lesbischen Frauen abrupt ab. Bis sich Noreen schließlich von England auf den Weg nach Berlin macht und Stella sucht.

Lustig und leicht geschrieben, lässt sich dieses Buch sehr schnell durchlesen. Besonders amüsant fand ich hier die Darstellung Berlins aus der Sicht einer Ausländerin, die versucht jemanden in dieser großen Stadt zu finden.
Kein literarisches Highlight, aber es macht Spaß!

Bis ich sie finde – Karen Susan Fessel

Karen Susan Fessel ist eine talentierte Autorin und „Bis ich sie finde“, meiner Meinung nach, das positivste und schönste Buch von ihr.
Während „Bilder von ihr“ eher dazu tendiert einen traurig zu stimmen, ist „Bis ich sie finde“ nicht nur vom Thema her ungewöhnlich, es ist auch eine wunderschöne Porträtierung einer Liebe.
Uma verliebt sich im Urlaub in Australien in Jane, erfährt allerdings erst später, dass diese transsexuell ist. Uma kümmert sich nicht weiter darum, Jane jedoch kann nicht damit umgehen, dass jemand sie so sehr bewundert.
Beide brechen den Kontakt ab und Uma kehrt nach Deutschland zurück.
Das Buch weiter zu beschreiben, würde zuviel vorrausnehmen, allerdings kann ich nur noch hinzufügen, dass ich bei diesem Buch, und das mache ich nie bei Büchern oder Filmen, mehrmals (fast) zu Tränen gerührt war.
Lasst euch vom grottigen Klappentext des Buches nicht abschrecken. Wer auch immer dafür verantwortlich war, gehört nackt durch die Straßen getrieben.

Salz und sein Preis – Patricia Highsmith

Ich bin viel zu spät auf dieses Buch gestoßen.
Es ist wundervoll.
Eigentlich könnte ich hier schon aufhören und euch zum nächsten Buchhändler jagen, aber da ihr ja DORT seid und ich HIER und mein Arm nicht bis zu euch reicht, muss es so gehen.

Highsmith ist ebenfalls eine unglaublich gute (lesbische) Autorin und hauptsächlich für ihre Krimis bekannt.
In „Salz und sein Preis“, wie es nach der Neuübersetzung jetzt richtig heißt (viele kennen das Buch vielleicht noch unter dem Titel „Carol“), geht es um die 19jährige Therese, die sich während sie in einem Kaufhas arbeitet, in die ältere Carol verliebt.
Die beiden kommen sich näher und verbringen immer mehr Zeit miteinander. Das richtige Drama beginnt allerdings erst, als die beiden zusammen verreisen.

Das Buch ist wundervoll geschrieben und Therese erste Liebe authentisch geschildert, ohne dabei peinlich oder kitschig zu werden. Die Erzählungen und Beschreibungen wirken ehrlich und man fühlt sich an seine erste Liebe erinnert und daran, wie stark das Maß an Bewunderung da noch war. Fast klingt das ganze ein wenig autobiografisch…und dann entdeckt man am Ende des Buches die abgedruckten Tagebucheinträge von P. Highsmith, Rohfassungen und die Entstehungsgeschichte – und ist umso mehr verzaubert.

Jetzt könnt ihr losgehen und euch darüber aufregen, dass eure Buchhandlung die meisten, wenn nicht sogar all diese Bücher wird bestellen müssen, oder ihr klickt gleich auf die Amazonlinks, die ich zu den Büchern gepackt habe!

Und was ist mit euch?
Habt ihr ein Lieblings-Strandbuch, dass ihr unbedingt empfehlen würdet?
Oder wollt ihr ihr gerade nur Dinge nach mir werfen, weil ihr entweder Müntefering Fan seid oder meine aufgelisteten Bücher schlecht findet?

Fühlt euch frei einen Kommentar dazulassen!

6 Comments

  • Reply ABC-Freund 4. Juli 2008 at 20:26

    Ich bin dann mal so frei – Strandlektüre

    a) Um es gleich vorweg zu nehmen: Für gewöhnlich lese ich nicht am Strand. Ich mag es nicht, wenn Hiddensee anschließend aus dem Bücherregal rieselt… Und doch gibt es ein Buch, das ich genau dort gelesen habe… auf Hiddensee, irgendwo zwischen Kloster und Vitte.

    Keri Hulme: Unter dem Tagmond.
    Es ist kein Lesbenroman. Das Buch erzählt auf knapp 650 Seiten (Taschenbuchausgabe) von Menschen (die Heldin, ein Mann und ein Kind), die so gar nicht zu anderen Menschen passen wollen und wohl genau deshalb aufeinander treffen und für kurze Momente das Leben des jeweils anderen bereichern. Im Begleittext steht etwas von „verzweiflungsvollem Drama“ und „eindrucksvoll, verstörendem Buch“… Bloß nicht davon beeindrucken lassen. Die Sprache (Übersetzung von Joachim A. Frank) ist stark und mitreißend und die Geschichte selbst: ungewöhnlich.

    b) Viel besser an den Strand mitzunehmen, weil bedeutend dünner –

    Susan Stinson: Martha flog auf der Engelskuh.
    Amanda, verheiratet (mit einem Mann), fühlt sich zu Martha, einer starken, unabhängigen Frau hingezogen. Beide finden zueinander und haben für ihre Liebe einiges im Wilden Westen auszustehen. Ja, es ist eine Art Western: Raue Sitten und dicke Frauen. Das ist das außergewöhnliche an diesem Buch. Es erzählt von Frauen, die weder bei einer Castingshow noch bei einem Schönheitswettbewerb durchkommen würden. Susan Stinson erschafft zwei Frauen, die in ihrer ganzen Fülle schön und begehrenswert sind (für diese Schönheit, muss man sich einfach nur Zeit nehmen).

    c) Meine letzte Empfehlung: Terry Pratchett (gut, den kann man nun überhaupt nicht zur Lesbenliteratur zählen – aber ich halte eh nicht viel von Kategorien…). Aus dem unerschöpflichen Kosmos seiner witzig-intelligenten „Scheibenwelt“ nenne ich hier einfach mal: Mummenschanz. Die Hexen Oma Wetterwachs und Nanny Ogg mischen dabei die Stadt Ankh-Morpork auf und bringen nicht nur im dortigen Opernhauses so ziemlich jeden zur Verzweiflung (auf Zombies und Vampire wird dabei genauso wenig Rücksicht genommen, wie auf Zwerge, Trolle, Zauberer und andere Mitbürger).

  • Reply Anonymous 4. Juli 2008 at 20:26

    hot topic steht schon länger auf meiner amazonwunschliste, danke für die erinnerung! auch die anderen bücher hören sich interessant an.

    jo

  • Reply Anonymous 4. Juli 2008 at 20:39

    ach und apropos hot topic:

    http://www.youtube.com/watch?v=Vrg4tbwJl_w

  • Reply Bioschokolade 5. Juli 2008 at 14:52

    Ja, was nehme ich so an den Strand mit? Also mir gehts wie abc-freund, ich mags eigentlich auch nicht so sehr wenn später der ganze Sand in meiner Wohnung ist und die Bücher auch immer etwas mitgenommen von Sonne, Stand, Salzwasser und Sonnenmilch sind.

    Also ich kann mich generell bei „Julia und Satine“ anschließen, eines meiner Lieblingsbücher. Auch die beiden anderen Bücher von Daniela Schenk „O wüsste sie dass sie es ist“ und ganz neu „Wir 4ever“ kann ich da eigentlich nur empfehlen, weil sie ebenfalls sehr gut geschrieben sind, auch wenn sie beide nicht an Julia und Satine heranreichen.

    Dann nehm ich meistens noch von Sarah Dreher „Stoner McTavish“ mit, ein schöner lesbischer Krimi mit ungefähr 350 Seiten. Dabei geht es um eine Reisebüroinhalberin die von der Bekannten ihrer Tochter gebeten wird nach ihrer Nichte zu schauen, da der neue Mann den sie geheiratet hat ihr nicht ganz koscher ist. Für einen Krimi ein recht süßes Buch mit süßen Charakteren (naja, nicht alle) was durchaus etwas spannend seien kann. Es gibt auch von dem Buch ein paar Nachfolgebänder die ich auch empfehlen kann, auch wenn es teilweise etwas ins Mystische abdriftet.

    Und ich kann noch ein Buch von Frau Müntefering empfehlen. Ja ja, ich weiß. Also Mirjam Müntefering gehört für mich zu den ganz wenigen Autoren die es schaffen Bücher von wirklich sehr unterschiedlicher Qualität (aus meiner subjektiven Sicht) zu schreiben. Es gibt gute Bücher, Bücher die man mal so lesen kann, Bücher die gerade so ertragbar sind und Bücher bei denen ich das Bedürfnis habe mich schreiend auf dem Boden zu welzen. Letzteres habe ich meistens bei den Büchern wo die Hauptprotagonistin genauso heißt wie ein bekannter Reifenhersteller. Aber es gibt eben auch gute Bücher wie z.B. Unversehrt oder auch Emmas Story. Und Emmas Story würd ich als Strandlektüre auch glatt empfehlen. Dabei find ich jetzt sowohl den Hauptcharakter Emma und Geschichte (Protagonistin trifft ungeliebte ehemalige Schulfreundin und wird sie erstmal nicht mehr los) ganz gut. Also für nebenbei durchaus ganz nett.

    Ich muss sagen Carol, das einzigste Buch aus der Liste was ich ebenfalls gelesen habe, fand ich hingegen nicht so berauschend, jedenfalls kann ich mich nicht mehr daran erinnern dass ich es besonders gut fand. Ist mit der Neuübersetzung des Namens eigentlich auch eine allgemeine Neuübersetzung des ganzen Inhaltes einhergegangen?

  • Reply ABC-Freund 5. Juli 2008 at 22:10

    @bioschokolade – Spannende Sache!

    a) Charly hatte bereits von einer Neuübersetzung gesprochen.

    b) Der Hammer ist aber, was die Herausgeber bei der Gelegenheit öffentlich gemacht haben: viele Highsmith-Romane sind bisher in gekürzter Fassung auf Deutsch erschienen (Quelle: wikipedia).

    c) Und siehe da, in meiner „Carol“-Ausgabe findet sich im Kleingedruckten der Hinweis darauf, dass es sich um eine „überarbeitete Fassung“ handelt. Damit erklärt sich fast von selbst, warum das Buch nicht unter dem Originaltitel „Salz und sein Preis“ erschienen ist – es war nicht das Original („empörend“ und Grund genug dem Buchhändler meines Vertrauens einen Besuch abzustatten – Danke Charly).

  • Reply X-berg 15. Juli 2008 at 17:32

    Das ist seit 20Jahren eines meiner Lieblingsbücher von P. Highsmith!!
    Ich warte auf die Verfilmung, Hollywood!!!

  • Schreibe einen Kommentar