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Serien Review – Cashmere Mafia

1. Juni 2008


Das Schlimmste, was überhaupt passieren kann, ist im Grunde genommen nicht das Zusammentreffen von schlechtem Script und schlechten Schauspielern (siehe You and I).
Das kann ja ab und an noch ganz amüsant werden. Nein, das Schlimmste ist, wenn man das Potential von wirklich guten Schauspielern vergeudet, indem man ihnen ein schlechtes Script vorsetzt.
Eines eurer Comments und eine „traurige“ Nachricht vom amerikanischen Fernsehsender ABC haben mich darauf gebracht, euch dieses Trainwreck an Miniserie mal näher zu bringen.
Denn erst jüngst hat ABC angekündigt, dass er seine Serie „Cashmere Mafia“ nach den ersten sieben gelaufenen Folgen absetzen wird.
Und da man im deutschen Fernsehen wohl nie in den Genuss von Cashmere Mafia kommen wird, hier ein kleiner Einblick in das Unglück.

Es kann eigentlich nur schief gehen, wenn es das „neue Sex and the City“ werden soll.
Mit vier wunderschönen Frauen in Top-Businesspositionen in New York, die viel verdienen, noch mehr für ihre Kleidung ausgeben und mit ihrem Leben ein wenig hadern.
Also ein High Class Sex and the City sozusagen (weil die Mädels bei SatC auf eine so unglaublich realistische Art und Weise beruflichen Erfolg hatten..).
Man suche sich vier schöne Schauspielerinnen, die Stylistin von SatC und den Produzent von Letzterem.
Die Idee ist nicht schlecht und der Trailer für die Serie sah vielversprechend aus.
Seht selbst.

Nicht nur sah das Ganze vielversprechend aus, er versprach sogar eine lesbische Storyline, die sich um eine der Hauptdarstellerinnen drehen sollte. Es war zu schön um wahr zu sein!
Nur ging anscheinend schon so viel Geld für Styling und Schauspieler drauf, das eines nicht mehr im Budget drin war: Anständige Drehbuchautoren.
Die Pilotfolge war ein Quotenhit. Wenn nicht wegen der lesbischen Storyline allein, dann wegen der Topbesetzung: Lucy Liu, Miranda Otto, Frances O’Connor und Bonny Summerville versprachen das Ganze zu einem Augenschmaus zu machen.
Eye Candy hin oder her. Die Ohren bluteten.
Die drei Frauen bewiesen in quasi jeder Szene, wie rückgratlos sie doch eigentlich waren.
Vor allem Miranda Ottos Charakter Juliet, die sich nicht von ihrem Mann trennen will, obwohl sie ständig betrogen und belogen wird, bringt einen zum lauten Zähneknirschen, wenn sie verkündet, dass die armen Männer ja nichts dafür können. Sie müssen quasi darunter leiden, dass sie nicht der Mann im Haus sind, sondern stattdessen ihre Frau mehr Erfolg hat. (Siehe auch Sneakpeak Video).
Gegen Ende entscheidet sie sich schließlich doch dafür, sich von ihrem Mann zu trennen. Vorher lässt der es sich jedoch nicht nehmen, das gemeinsame Sparkonto leer zu räumen.
Spätes Erwachen kann so grausam sein.
Die Einzige, die eine gesunde Ehe zu führen scheint, ist der Charakter von Francis O’Connor . Abgesehen davon, dass sie mit den typischen „Ich finde keine Nanny“ und „Ich habe seit Jahren nicht mehr als vier Stunden geschlafen“ Problemen kämpft (wer kennt die nicht), hat sie einen Ehemann, der sie unterstützt, liebt und vor allem nicht betrügt.


Ihre Freundinnen nehmen sich daran jedoch kein Beispiel.
Obwohl dieser Charakter mit der Sympathischste ist, wirft sie jedes Kalkül über Bord und kündigt, als ihr Chef, mal wieder, einem Mann den Vorzug bei der Beförderung gibt.

Sicherlich, er wird für etwas befördert was sie erreicht hat, aber so ein Schritt ist für eine erfolgreiche Karrierefrau nicht nachvollziehbar. Selbst wenn sie weiß, dass die Headhunter ihr die Wohnung und Mailbox einrennen werden.


Lucy Lius Charakter „Mia“ hingehen, muss sich damit auseinandersetzen, dass ihr Freund, nein, Verlobter, nicht damit klar kommt, dass sie erfolgreicher ist als er.
Er verlässt sie, nachdem er erfährt, dass sie die Position bekommen hat, für die sie beide zur Debatte standen. Für sie beginnt nun die Suche nach einem idealen Partner, die sie von Zoes Nanny, über sexy Hirnchirurgen und schließlich zu ihrer ultimativen Liebe führt: einem stinkenden, schuhfetischistischen Hund.
Kudos for that.


Die Lesbenstoryline schlägt jedoch alles.
Wir sind ja grundsätzlich an unrealistische Storylines, vor allem die, die das Thema Bisexualität behandeln, gewöhnt. Aber das?
Es fing gut an, als sich Caitlin in Alicia verliebte. Es machte einfach „klick“ und Caitlin hat zu keinem Zeitpunkt den Drang verspürt, panisch im Kreis zu rennen.
Und schon in der ersten Folge bekamen wir einen Kuss spendiert:

Das war niedlich (und unrealistisch in der Hinsicht, dass sie genau v o r der Bar parken konnte und Alicia sofort ein Taxi bekommen hat) und…lustig.
Das folgende Gespräch mit ihren Freundinnen war jedoch eine Gradwanderung zwischen „amüsant“ und „beinahe erfrischend“:

Caitlin: I’m good.
Zoe: Wha? What do you mean „You’re good?“ You’re never „good.“
Caitlin: Thanks a lot. I am … have a date.
All: Really?
Mia: You’ve been holding out on us.
Caitlin: With a woman.
Mia: You’ve really been holding out on us.
Juliet: You’re gay now?
Mia: She is not gay.
Caitlin: Excuse me, can the possible lesbian answer that question? I don’t know if I’m gay or I’m straight. I don’t want to join a union yet or anything.
Mia: You know what? She’s hip. It’s the thing to do. It’s like when everyone was pregnant, ya know. Lesbians are the new babies.
Juliet: Is this like when you went kosher for two weeks?
Caitlin: I met someone I like. It happens to be a woman. That’s all I got. Just please, be supportive. And don’t act like this never happened to any of you.


In Episode 4 ging es bereits abwärts, als Alicia Caitlin zu einer Brautparty einer guten Freundin mitnimmt (weil Lesben ja nichts anderes tun als zu heiraten..) wo die beiden gleich mit der Frage überrannt werden, wer von ihnen das Kind austragen möchte (…und Kinder bekommen). Caitlin scheint von diesem „warmen“ Empfang in die „Lesbians on Hormones“-Gruppe berechtigterweise verstört. Ihre Freundin währenddessen lächelte nur und gesteht, dass sie tatsächlich mit dem Gedanken spielt ein Kind zu bekommen.
Caitlin hatte all mein Verständnis der Welt, als sie sich schließlich (in Sichtweite des Tisches) an die Bar zurückzieht und einen Drink bestellt. Dass sie (immer noch in Sichtweite ihrer Freundin) einem fremden Mann ihre Nummer gibt, war allerdings weniger nachvollziehbar.


Das Unglück nahm von da an seinen Lauf.
Man möchte jetzt denken, dass Caitlin sofort mit besagtem Typen ins Bett springt und sie somit wieder in den sicheren Hafen der Heterosexualität eingekehrt.
Weit gefehlt.


Sie spielt zwar mit dem Gedanken und sagt zu Zoe auch „I am the worst lesbian on this planet“, trifft ihn jedoch erst, als ihre Freundin ihr eröffnet, dass sie schwanger ist.
Ja. Genau. Ich hasse es auch jedes Mal wieder, wenn mir das passiert.
Das ist fast so schön wie Aufwachen und Feststellen, dass der One Night Stand von letzter Nacht verschwunden ist und als kleines Erinnerungsgeschenk eine Niere hat mitgehen lassen (hust – Nip Tuck – hust).
Ist jedes Mal wieder ein Schock.


Diesmal hatte Caitlin also sogar mein Verständnis, als sie sich mit dem Mann von der Bar trifft und schließlich mit ihm im Bett landet.
Sie erzählt allerdings ihrer Freundin davon und wird, oh Wunder, nicht verlassen.
Happy End, beide ziehen eine Familie groß und sind happy?
Nein. Denn gerade als Caitlin sich mit dem Gedanken abgefunden hat, eine Zweitmami zu werden und mit einem Rieseneinkauf aus einer Edel-Babyboutique bei Alicia auftaucht, erzählt ihr die, dass sie es noch mal mit Ihrer Ex versuchen wird. Die Ex, die sie übrigens „schwanger gemacht“ hat.
Lesben Serienregel Nr. 1 wurde damit erfüllt:
Nichts und niemand kann mit Spermien konkurrieren!


Nein Caitlin, nichtmal das Gesicht und ein Familienfotoalbum

Jede andere Serie hätte sich der Verwirrung der Caitlin ausgesetzt war näher beleuchtet, sie von ihren Freundinnen trösten lassen, aber das war hier anscheinend nicht nötig.
Es gibt weder eine genaue Porträtierung der Tatsache, dass sie nicht nur gerade erst entdeckt hat, dass sie auf Frauen steht, es wird auch vollkommen außer Acht gelassen, dass sie diese Frau anscheinend so sehr liebt, dass sie ihren Hass auf Familie und Kinder über Bord wirft.
Dafür bleibt keine Zeit, es sind ja nur sieben Folgen.
Und so wird das Ganze in der letzten Folge komplett unter den Tisch fallen gelassen und die Screenzeit von Caitlin einfach mal rapide gekürzt.
Weil die Geschichte von Mia und ihrem Hund so viel spannender ist.

Cashmere Mafia ist mal wieder ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass eine Serie, die auch noch so schön gemacht und besetzt sein kann, unweigerlich scheitert, wenn das Drehbuch schlecht ist.

Fotos von abc.com

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