Kultur

Homosexuellendenkmal in Berlin eingeweiht

27. Mai 2008

Heute wurde mit geladenen Gästen das Homosexuellen Denkmal in Berlin, um die Ecke vom bekannten Judendenkmal, eröffnet.
Ich bin allerdings fast ersucht eher „Schwulendenkmal“ zu sagen, da ich es nicht wirklich akzeptieren kann, dass es sich um ein Denkmal für Verfolgung der Lesben und Schwulen während der NS-Zeit handelt.
Sicherlich, es ist wahr, dass Lesben im KZ „nur“ als Assoziale und nicht als Homosexuelle behandelt wurden, aber das macht ihr Leid nicht wirklich erträglicher.
Mit dem Wechsel des Videos alle zwei Jahre von schwul zu lesbisch und zurück, war ich besänftigt. Die ersten zwei Jahren sollten sich Männer küssen, die nächsten zwei dann, sollten Frauen dran sein.
So weit so gut.
Bis mich gestern etwas sehr verwirrt hat.
Die Rotation des Videos wird auf jeder Website und in jedem Nachrichtenbeitrag zwar hervorgehoben, allerdings scheint das nicht ganz der Wahrheit zu entsprechen.
Denn im Zitty-Interview mit dem verantwortlichen Künstlerduo Michael Elmgreen und Ingar Dragset, klang das ganz anders:

 

Nach der „Emma-Kampagne“ haben Sie beschlossen, das Video alle zwei Jahre zu wechseln. Wie sieht denn das nächste aus, auf dem zwei Lesben gezeigt werden sollen?

Dragset: Es gibt kein Lesben-Video als nächstes. In den nächsten zehn Jahren wird alle zwei Jahre ein neues Video installiert. Eine Jury wählt das Video aus. Es soll jedes Mal eine andere Sicht von homosexueller Liebe zeigen und dabei können natürlich lesbische Regisseurinnen ihre Werke einreichen.

Nennt mich ruhig eine leicht ernüchterte Kampflesbe, aber irgendetwas sagt mir, dass diese Jury wohl größtenteils von Männern besetzt sein wird.
Nun gut, wer weiß. Vielleicht kommt es ja doch noch ganz anders.
Das hoffe ich auch, denn ich hab so die böse Ahnung, dass, wenn es wieder ein „Schwulen“-video (was es ja angeblich nicht ist) wird, Polen offen ist.

 

Hatten Sie Verständnis für die Kritik [der Emma]?

Elmgreen: Ja, deswegen haben wir unseren Entwurf ja auch geöffnet. Das war für uns überhaupt kein Problem.
Dragset: Wenn „Emma“ glaubt, dass Lesben in der Öffentlichkeit besser repräsentiert wären, wenn zwei küssende Frauen gezeigt werden, bitte. Dann haben sie aber nicht verstanden, dass die zwei Männer nur für sich selbst stehen und nicht als Repräsentation für alle Schwulen. „Emma“ hat auf dem Niveau von Benetton und Michael Jackson argumentiert.
Elmgreen: Es gäbe so viele wichtigere Streitpunkte: Nur sehr wenige Künstlerinnen sind in den großen deutschen Museen vertreten – warum kämpft „Emma“ nicht für mehr? Da würden wir sofort mitkämpfen.

So?

Da bin ich gespannt.

Das ganze Interview gibt es hier

Fotocredit: ddp

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar