Filmreview 1 – Loving Annabelle


Loving Annabelle Trailer

Es gibt ein paar Dinge, die so gut wie alle Lesben und bisexuellen Frauen verbindet..
okay, vielleicht übertreibe ich mit “ein paar”, weil mir spontan nicht wirkliche viele einfallen, aber ich brauchte eben dringend einen Anfang..

Gut…zur Gemeinsamkeit also…
So gut wie jede von ihnen, war einmal in eine Lehrerin, oder meinetwegen auch Professorin (kommt eher selten vor), verliebt. So ziemlich jede kennt das Gefühl, wie es ist, die unbequemsten Stühle der Welt zu vergessen, weil vorne vor der Tafel das Objekt der jugendlichen Begierde auf und ab läuft und einen, in 99% der Fälle, keines Blickes würdigt.
Verständlicher Weise!
Die Aufmerksamkeit, die man bekommt, ist meistens der Natur, wie sie später im Leben noch so oft sein wird: beruflicher.
Und so findet frau sich damit ab, dass die Angebetete in jedem Fall ihren Job mehr liebt und überwindet das Ganze.
Sicherlich, Ausnahmen bestätigen die Regel…es soll ihn geben, den großen lesbischen Mythos, das Märchen aller Märchen, dass es wirklich einmal ein Happy End gibt!
Aber seit “Mädchen in Uniform”, weiß jede, dass das..eben ein Märchen bleibt.

Doch eine Frau, eine tapfere Frau, setzte sich hin, schrieb ein (NEIN, NICHT ICH) Drehbuch und ließ alle ihre unausgelebten Schulphantasien, auf die Blätter fließen.
Die Intention war doch eine nette: sie wollte der Lesbenwelt ein modernes ‘Mädchen in Uniform’ schenken, ohne Happy End zwar (Natürlich, wir sind Lesben, Filme mit Happy End, wo kämen wir da hin..), aber dafür mit Sex.
Oh Gott.
Hätte sie das bloß gelassen.

Ich werde es wohl nie vergessen…
Ich war neu in Berlin, nötigte meine beste (und stockhetereosexuelle) beste Freundin (JA, das soll es geben!) zum Loving Annabelle Brunch auf dem Verzaubert Filmfestival.
Die Stimmung zwischen Kaffee und Croissants war gut, alle Altersgruppen waren vertreten.
Wir lachten ein wenig mit den beiden Mitte-40er Lesben an unserem Tisch, rauchten, genossen den schönen Sonneneinfall ins Kino International…und da hören die guten Erinnerungen auch schon auf.
Meine beste Freundin wird mir diese 90Minuten, die wir beide nie wieder bekommen werden, wohl nie verzeihen!
Diesen Film zu sehen, ist wie einem dreibeinigen Reh dabei zuzusehen, wie es ungelenk durch die Gegend hoppelt. Es ist traurig, so unendlich tragisch, aber auf eine so FALSCHE Art und Weise doch zum Lachen.
Nicht nur, dass die beiden Hauptdarstellerinnen wie Barbies aussehen, wie meine Freundin passend bemerkte, die Story ist auch noch so an den Haaren herbei gezogen und schlecht, dass man sich nur die Hand, oder etwas Härteres, gegen den Kopf schlagen möchte.
Dass sich Lehrerin und Schülerin treffen und es irgendwie augenblicklich Klick macht – Ok!
Aber, dass die Schülerin ihr Rosen schickt, Sexandeutungen macht und die Angemachte sich auch noch geschmeichelt fühlt?!
Wohl eher nicht.
Aber es kam noch besser:
Da der Film sich ja in einem katholischen Internat abspielt, darf eine geheime Rauch-szene bei Nacht nicht fehlen. Inkl der..vllt 16jährigen Protagonistin Annabelle, die damit angibt,wieviel Frauen sie doch schon in ihrem bewegten Leben gehabt hat. Natürlich stürzt besagte Lehrerin dann in den Raum, ermahnt aber nur und das Ganze hat keine Konsequenzen.
Entweder hat sie gerade auf ihrem Zimmer einen Joint durchgezogen oder sie hat definitiv den Beruf verfehlt.
Es war traurig…und so lustig, dass der Kinosaal voller Lesben sich köstlich amüsierte und teilweise hysterisch anfing zu lachen – jedoch nicht bei den ‘witzigen’ Momenten.
Die Lehrerin ist natürlich mit einem Mann zusammen und kämpft nun mit sich und ihrer dunklen Vergangenheit (Sie hatte eine Freundin, lange ist es her, aber diese ist auf tragische Art und Weise bei einem Unfall welcher Art auch immer (vermutlich Selbstmord) ums Leben gekommen und die Lehrerin dachte,dass es bestimmt das Beste sei, das Team zu wechseln – was definitiv von Charakterstärke zeugt).
Wäre ich diese Lehrerin, wäre meine einzige Sorge, wie ich dieses Balg, was mich anscheinend verfolgt und immer wieder aufs gröbste angräbt, ohne Rücksicht auf Verluste, loswerden kann.
Aber ganz im Gegenteil.
Das Ganze erreicht seinen Fremd-Schämhöhepunkt, als die Schülerin sich auf die Bühne stellt und ein selbstgeschriebenes Lied für die Lehrerin trällert, wonach beide rausrennen.
JUST in diesem Moment fängt es an zu GEWITTERN…und was passiert?
Genau..die Sexszene auf die wir alle gewartet haben findet statt.

Leider hat sich unsere kleine, libidogesteurte Schülerin aber keine Gedanken darüber gemacht, dass das auffallen könnte und im vorneherein schon ein etwas zickiges Weibchen abgewiesen (natürlich nicht, ohne sie vorher im Pool abzuknutschen), die nun ihre typisch, weibliche Rolle spielt und petzen geht.
Gut, dass Annabelle nicht die einzige war, die sich keine Gedanken gemacht hat – sonst wären beide nicht so dumm gewesen nach dem Sex im gleichen Bett einzuschlafen und am näcshten Morgen von der Direktorin, auf einen Tipp des abgewiesenen Weibchens hin, entdeckt zu werden.

Der Film wurde im International auf Englisch ausgestrahlt und ein Teil des Pärchens hinter mir, war der Sprache nicht so mächtig, weshalb ihre Freundin ihr alles übersetzt hat.
“Was hat sie gesagt?”
“Dass sie sie liebt und…DAS hat sie jetzt nicht gesagt…”
Reihe davor, meine Freundin, ich und eine Unbekannte im Chor: “Doch. Leider.”

Es war grausam. Der ganze Film ist grausam, aber auf keine bittersüße Art und Weise.
Und als ich wenig später in so vielen Zeitschriften und online gelesen habe, was für eine Fanbase der Film hat, habe ich mich kurzzeitig gefragt, ob ich nur geträumt habe, dass ich in einem Kino voller sprachloser und auch lachender Lesben saß.

In jedem Fall empfehle ich diesen Film NICHT anzusehen.
Wer einen Film dieser Art will, der sollte dann doch lieber die “Mädchen in Uniform” Verfilmung mit Romy Schneider sehen.
Denn der Kuss zwischen Romy Schneider und Lily Palmer verursacht defintiv mehr Prickeln, als Loving Annabelle es in seiner gesamten Spielzeit vermag.

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